Boxen : Bar jeder Vernunft bricht das Zelt ab

Bühne erhält neuen Standort an der Schaperstraße / Investor will Parkdeck abreißen und ein Hochhaus bauen

Cay Dobberke

Mit der Bar jeder Vernunft dürfte es bald abwärts gehen – zwar nicht kulturell, aber baulich. Denn das Parkdeck der ehemaligen Freien Volksbühne in Wilmersdorf, auf dem das Spiegelzelt steht, soll abgerissen werden. Der Standort läge danach ebenerdig und näher an der Schaperstraße.

Das Cabaret-Theater hatte 1992 im alten Jugendstil-Spiegelzelt mit Platz für 250 Zuschauer eröffnet. Draußen gibt einen Biergarten. Zu den Stammkünstlern zählen Ars Vitalis, die Geschwister Pfister, Meret Becker, Max Raabe, Otto Sander und Gayle Tufts.

Die Umzugspläne hängen mit einem Bauprojekt zusammen. Der Eigentümer des Areals möchte an der Bundesallee / Ecke Meierottostraße ein Bürohochhaus errichten, in dessen Erdgeschoss ein Lokal ziehen könnte. Als Ausgleich für Grünflächen, die dem Vorhaben weichen sollen, will der Investor das Parkdeck und den größeren Parkplatz darunter durch eine begrünte Tiefgarage ersetzen.

Holger Klotzbach von der Bar jeder Vernunft begrüßt die „Gelegenheit, das hässliche Parkdeck zu verlassen“ und die Zeltumgebung „funktional zu ordnen“. Die Kosten der Verlagerung und einer langen Spielzeitpause könne man aber nicht tragen. Laut Friedhelm Boese von der Firma Neubau GmbH, der das Areal seit 1999 gehört, wurden Klotzbach bereits „finanzielle Zusagen gemacht“. Der Spielbetrieb müsse wohl nur wenige Tage lang ausfallen. Boese schlägt den Umzug in ein festes Haus vor, respektiert aber, dass die Bühnenbetreiber dagegen sind. Tatsächlich hält Klotzbach nur schallschluckende Nachbarbauten für akzeptabel .

Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) nimmt an, dass die Umbauten frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2003 beginnen können. Durch die „Entsiegelung“ betonierter Flächen entstehe insgesamt mehr Grün, sagt er. Am 12. November will sich der bezirkliche Bauleitplanungsausschuss mit den Plänen beschäftigen. Dessen Vorsitzende Monica Schümer-Strucksberg (SPD) wünscht sich, dass man auf dem Weg zur Bar jeder Vernunft „nicht mehr über Stellplätze stolpert“. Das nahe Hochhaus, das nach ihrer Kenntnis bis zu 16 Stockwerke hoch werden soll, dürfte „wenig Leute stören“. Der Entwurf des Architektenbüros Kollhoff zeige einen „Bezug zum Gebäude der Investitionsbank“, das schräg gegenüber liegt und 13 Etagen hat.

Der Bauherr verspricht, die Umgestaltung des Areals werde auch die Berliner Festspiele im denkmalgeschützten 60er-Jahre-Bau der Freien Volksbühne nicht beeinträchtigen.

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