Boxen : Bei Rückgabe winkt Belohnung

Keine Spur vom Dieb des "Hafen"-Gemäldes - nun werden Alarmanlagen modernisiert Potsdam(thm/wvb).Die Preußische Schlösserstiftung will dem Räuber des Hafen-Gemäldes von Caspar David Friedrich für die freiwillige Rückgabe des Bildes eine Belohnung zahlen.Dies hat Generaldirektor Hans-Joachim Giersberg am Montag zugesagt.Bei der Potsdamer Polizei wurde eine fünfzehnköpfige Sonderkommission "Hafen" eingesetzt, die nun weltweit nach dem Bild fahndet.Das Gemälde gehört laut Giersberg zu den "Top Ten" der Sammlungen der Preußischen Schlösserstiftung. "Eine Rückgabe würden die Schlösser und Gärten honorieren - aber Trittbrettfahrer haben keine Chance", sagte Giersberg gestern bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von Stiftung und Polizei.Der Täter könne, wenn er das Bild freiwillig herausgebe, auf Strafmilderung hoffen, so Peter Schultheiß, Abteilungsleiter für Einsatz und Ermittlung.Die Fahnder gehen derzeit nicht davon aus, daß es sich "um einen absoluten Profi" gehandelt habe, sagte Kriminalrat Reiner Köpping, Leiter des Zentralen Kriminalpolizeilichen Dienstes.Beim Potsdamer Präsidium seien über das geschaltete Hinweistelefon (0331/ 2833333) inzwischen elf Hinweise zu dem dreisten Kunstraub eingegangen, doch keine heiße Spur. Das berühmte Ölgemälde mit dem Titel "Ansicht eines Hafens" war bei einem Einbruch im Schloß Charlottenhof in der Nacht zum Samstag gestohlen worden.Die Preußische Schlösserstiftung hat nach dem Raub die ersten Konsequenzen gezogen.Giersberg kündigte an, daß die Alarmanlagen modernisiert würden.Außerdem sollten die lange geplante Verlagerung bestimmter Bilder nach Charlottenburg nun beschleunigt werden.Man habe die Sicherheitsanlagen in den letzten Jahren schon erheblich verbessert und könne jährlich eine Million Mark dafür ausgeben, sagte Giersberg."Perfekte Sicherheit bekommen wir nie." Ausdrücklich dankte er der Polizei, die schon zwei Minuten nach der Larmierung am Tatort gewesen sei.Daß das Gemälde nicht versichert war, sei normal: Kein Museum könne seine gesamten Bestände versichern.Auch in den staatlichen Berliner Galerien und Museumsschlössern sind die regelmäßig augestellten Bilder nicht gegen Diebstahl versichert.Der Staat als Eigentümer könne nicht sämtliche Gemälde aus den zahlreichen Sammlungen, "weil das zu teuer ist", sagt die Hauptkustodin der Nationalgalerie, Angela Schneider.So verlasse man sich auf Diebstahlsicherungen und Bewachung. Es sei denn, die Bilder werden ge- oder verliehen.Dann schließen die Eigentümer bei großen Assekuranzen Versicherungen gegen Diebstahl und Beschädigung ab.Die bekannteste Versicherung für teure Objekte, das britische Unternehmen Lloyds, bietet einschlägige Dienste an; doch auch deutsche Versicherer seien einzeln oder in Konsortien in diesem Geschäft tätig, sagt Angela Schneider.Die Höhe der Policen sei Verhandlungssache und beispielsweise von der Laufzeit der Versicherung abhängig.Doch gibt es einen Richtwert: er liegt bei einem Promille des geschätzten Gemäldewertes.Völlig unklar ist, was die Bildräuber mit dem Gemälde anfangen können."Dieses Ölbild ist so bekannt, daß es praktisch nicht verkäuflich ist", sagt Schlösserdirektor Giersberg.Kustodin Angela Schneider aber denkt an die beiden Bilder, die vor Jahren aus dem Schloß Charlottenburg gestohlen wurden: Die habe man "nie wieder gesehen".

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