Boxen : Beim Hauskauf übernommen

Schulden waren Motiv für Luckauer Familiendrama. Ermittlungen eingestellt

Sandra Dassler

Luckau - „Die armen Kinder! Wie sollen sie jemals damit klar kommen?“ Auf dem Marktplatz von Luckau im Landkreis Dahme-Spreewald gab es gestern nur ein Gesprächsthema: das Familiendrama am vergangenen Sonntag.

In einem Einfamilienhaus am Rande der Kleinstadt hatte der 41-jährige Ingo L. wie berichtet seine Lebensgefährtin mit dem Gürtel eines Bademantels erdrosselt. Danach war er in den ehemaligen Tagebau Schlabendorf gefahren und hatte sich in seinem Auto verbrannt. Pilzsammler sahen das Feuer und alarmierten die Polizei. Letzte Zweifel an der Identität der Leiche wurden am Dienstag durch eine Zahn-Analyse beseitigt. „Es handelt sich zweifelsfrei um Ingo L.“, sagte die Sprecherin der Cottbuser Staatsanwaltschaft, Cäcilie Cramer-Krahforst: „Da unsere bisherigen Untersuchungen ergaben, dass er für den Tod seiner Lebensgefährtin verantwortlich ist, haben wir die Ermittlungen eingestellt.“ Weitere Auskünfte über die Tat werde es auch aus Rücksicht auf die beiden Kinder des Paares nicht geben, sagte Cramer-Krahforst. Sie bestätigte allerdings, dass es einen Abschiedsbrief von Ingo L. gibt, in der er finanzielle Probleme als Motiv der Tat angibt.

Der der aus Berlin stammende Bauarbeiter hatte das Haus mit seiner 36-jährigen Lebensgefährtin Kathrin W. erst im August dieses Jahres erworben. Laut Medienberichten soll L. Nachbarn gegenüber geäußert haben, dass er sich mit dem Kauf, der Renovierung und den neu angeschafften Möbeln übernommen habe. „Das ist doch kein Grund, den Kindern die Eltern zu nehmen“, sagt eine Luckauerin. Die beiden 9 und 14 Jahre alten Töchter hatten am Sonntag einen Anruf ihres Vater erhalten, in denen er „eine letzte Bitte“ äußerte: Sie sollten unter keinen Umständen allein nach Hause gehen. Die Mädchen hatten sofort die Polizei informiert.

Kriminalisten bezeichnen Straftaten, bei denen eine Person zunächst eine oder mehrere Verwandte und anschließend sich selbst tötet, als „erweiterte Suizide“. Das Phänomen tritt oft in Familien auf, die Täter sind meist Männer, als Motive werden häufig wirtschaftliche Schwierigkeiten genannt. In Brandenburg gab es in den vergangenen Jahren mehrere solcher Fälle – der schlimmste ereignete sich 1994 in Cottbus, wo ein Mann seine kranke Ehefrau und zwei Kinder tötete. Da es dem Täter trotz mehrerer Versuche nicht gelang, sich anschließend selbst umzubringen, wurde er 1995 zu sieben Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Er starb 2001 in Berlin.

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