Boxen : Benzintrip nach Polen: Tankstellen in Slubice drohen zu verwässern

Jörg Schreiber

An den Tankstellen in der polnischen Grenzstadt Slubice gegenüber von Frankfurt (Oder) herrscht Flaute. Die Zahl der deutschen Kunden sei in den letzten Tagen auf fast die Hälfte geschrumpft, sagt der Pächter einer Station an der Ausfallstraße nach Kostrzyn (Küstrin). Auch andere No-Name-Tankstellen bestätigen den Abwärtstrend. Ursache sind nicht etwa steigende Preise. Der Liter Super kostet derzeit mit 3,27 Zloty (etwa 1,63 Mark) über 40 Pfennige weniger als im benachbarten Deutschland. Vielmehr verunsichern Presseberichte über verunreinigtes Benzin die deutschen Tanktouristen. Mehrere Autos seien nach einem Tanktrip nach Polen nur noch stotternd gefahren und mussten schließlich in die Werkstatt abgeschleppt werden, heißt es da.

Allein 13 Fälle sind der deutsch-polnischen Verbraucherberatung in Frankfurt (Oder) bekannt. Birgit Wessolleck von der Beratungsstelle sagt, die Betroffenen hätten Werkstattrechnungen zwischen 300 und 1000 Mark vorgelegt, je nachdem, ob nur der verunreinigte Kraftstoff abgepumpt werden musste oder schon Folgeschäden entstanden waren. Alle bisher bekannt gewordenen Fälle stammen von Ende Oktober. Zwar seien in den letzten Tagen keine neuen Vorfälle gemeldet worden. Die Tankstellen hätten offensichtlich reagiert, eine habe sogar den Betreiber gewechselt. Doch sei weiterhin Vorsicht geboten.

Detlef Roth von der Prüforganisation DEKRA in Frankfurt sagte, in drei Benzinproben seien zweimal freies Wasser und in einem Fall Lackpartikel gefunden worden. Das widerspreche den europäischen Normen. Die Schmutzpartikel würden die Filter im Auto zusetzen, was die Kraftstoffzufuhr unterbreche. Verunreinigungen im Kraftstoff seien im übrigen gar nicht so selten, oft hänge das mit dem Lieferanten zusammen. Er rät deshalb, in Polen besser bei Marken-Tankstellen Benzin zu zapfen.

Auch Birgit Wessolleck empfiehlt, nur Benzinstation von Ketten anzufahren. die auch in Deutschland agieren. An anderen Tankstellen sollte der erfahrene Fahrer "schnuppern", ob der Kraftstoff auch wirklich nach Benzin riecht. Wichtig sei in jedem Fall, die Tankquittung aufzuheben. Andernfalls sei jeder Versuch, Schadensersatz anzumelden, von vorneherein zwecklos. "Wir haben einen Musterbrief aufgesetzt, damit die Betroffenen bei den Tankstellen Schadensersatzforderungen geltend machen können", sagt Wessolleck. Wer klagen will, müsse das freilich in Polen tun, dabei dürfe die Verbraucherberatung nicht beraten. Wie ein solcher Rechtsstreit ausgeht, sei völlig offen.

Bislang ist noch ungeklärt, ob die Tankstellen selbst oder deren Zulieferer gepfuscht haben. Alle Tankwarte geben indes Entwarnung und beteuern, dass die Qualität des Kraftstoffs jetzt wieder den Normen entspricht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar