Boxen : Berliner ziehen nicht mehr aufs Land

Immer weniger Hauptstädter wollen ins Umland, wo 2001 erstmals ein Bevölkerungsrückgang verzeichnet wurde

Thorsten Metzner

Potsdam. Immer weniger Berliner ziehen nach Brandenburg. Dafür wandern wegen der hohen Arbeitslosigkeit immer mehr Brandenburger nach Berlin oder in alte Bundesländer ab. Ein Trendwende mit Folgen, wie das am Donnerstag veröffentlichte Statistische Jahrbuch für 2001 darstellt: Danach sank im vergangenen Jahr erstmals seit der Wende die Einwohnerzahl Brandenburgs, nachdem das Land aufgrund der Berliner Zuzügler jahrelang das einzige Ostland mit Bevölkerungswachstum war.

Inzwischen liegt die Einwohnerzahl unter der 2,6-Millionen-Marke, bei genau 2,593 Millionen Einwohnern. Das sind rund 9000 weniger als im Jahr 2000. In diesem Jahr werde es einen Rückgang in der gleichen Größenordnung geben, sagte Arend Steenken, Präsident des Landesamtes für Statistik.

Die Statistik müsste die Politik alarmieren: Das Ende des Zuzugsbooms führt dazu, dass die Brandenburger Bevölkerung schneller überaltert als bislang erwartet. Denn Jahr für Jahr werden in Brandenburg weniger Kinder (2001: 17692) geboren werden als Menschen sterben (2001: 25889). Der Geburtenanstieg aus dem Jahr 2000 auf damals 18444 Geburten, den manche Politiker als positive Trendwende ansahen, hat sich also nicht fortgesetzt. Bislang hatte Brandenburg, wiederum als einziges Ostland, den Geburtenrückgang nach 1989 und die Abwanderung in alte Bundesländer durch Zuzüge kompensiert – und sogar Bevölkerungszuwächse verbucht. Das ist nicht mehr der Fall, so Steenken. Im Gegenteil: Erstmals seit 1992 sterben nicht nur mehr Menschen als geboren werden, es sind auch erstmals mehr Menschen abgewandert als hinzugezogen. In Zahlen: 71801 zogen weg, 71128 zogen zu.

Besonders auffällig ist dies im Verhältnis zu Berlin: Zwar zogen im Vorjahr 34000 Berliner ins Brandenburger Umland. Doch im Jahr 2000 waren es 38000, im Jahr davor sogar 43900. Zugleich packen immer mehr Brandenburger ihre Koffer in Richtung Berlin, darunter allerdings auch „Rückkehrer": 22355 im Jahr 2001 – so viel wie noch nie.

Hinzu kommt, dass sich die Verödung der Randregionen weiter verschärft, da vor allem von dort tausende Menschen wegziehen, während der Speckgürtel weiter wächst: 51000 Zuzügen im Umland standen 2001 lediglich 33600 Wegzüge gegenüber. In der Prignitz dagegen leben heute noch 94000 Menschen – 117000 waren es 1990. Und die Städte Brandenburg/Havel oder Frankfurt (Oder) haben im letzten Jahrzehnt ein Fünftel ihrer Bevölkerung verloren. Nur Potsdam verbucht inzwischen wieder Zuwächse. Die Bevölkerungszahl kletterte 2001 erstmals seit Jahren wieder über die 130000-Einwohner-Marke.

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