Boxen : Biodünger stinkt den Anwohnern

Ökobauern machen ihre Böden mit Geflügelabfällen fruchtbar – die Geruchsbelästigung ist hoch

Claus-Dieter Steyer

Schönfließ - Bei Fahrten über Land steigt derzeit vielerorts ein stechender Gestank in die Nase. Die Bauern bringen Gülle aus den Ställen auf die Felder, um damit die Fruchtbarkeit der Böden zu verbessern. Doch neuerdings wird in Brandenburg auch immer mehr Dünger in trockener Form ausgebracht – und der verursacht bei Anwohnern eine erhebliche Geruchsbelästigung und löst bei vielen auch Irritationen aus. Denn es handelt sich um eine Mischung aus Kot, Knochen und Federn von Hühnern. Dieses Düngegemisch kommt vor allem aus den Niederlanden.

Eine solche Beobachtung machten Bewohner beispielsweise am Rande von Schönfließ am nördlichen Berliner Stadtrand. Mehrere Lkw luden dort große Mengen des Gemischs aus Knochen und Federn ab, das anschließend mit Traktoren und Hängern auf die Felder am Ortsrand verteilt wurde. Da sich die Arbeiten am Wochenende bis nach Einbruch der Dämmerung ausdehnten und die Lastzüge niederländische Kennzeichen trugen, machte sich unter den Anwohnern der Verdacht breit, hier würden Tierabfälle illegal beseitigt.

Doch der zuständige Landwirtschaftsbetrieb wies die Anschuldigungen zurück. „Wir arbeiten ökologisch und verzichten daher auf chemische Mittel“, sagte der Chef des Mühlenbecker Agrarunternehmens, Harro Petersen. „Deshalb setzen wir nur organischen Dünger ein, und zwar die in der ganzen EU zugelassene Mischung Compotherm.“ Sie werde bei 70 Grad Celsius hergestellt und enthalte keine Krankheitserreger. Die Geruchsbelästigungen dauerten nur wenige Tage.

„Wer von der Stadt aufs Land zieht, muss eben auch die Landwirtschaft akzeptieren“, meint der zuständige Bürgermeister der Großgemeinde Mühlenbecker Land, Klaus Brietzke. Beschwerden wie aus Schönfließ gebe es vorwiegend von „neuen“ Landbewohnern, die in der Großstadt Berlin ohne die typischen Gerüche oder den Traktorenlärm eines Dorfes aufgewachsen seien. „Das legt sich aber mit der Zeit“, sagt der Bürgermeister.

Gerade angesichts der großen Zahl von Biobauern, die in Brandenburg schon rund 15 Prozent der Anbaufläche bewirtschaften, gibt es auch mehr organischen Dünger als früher. Die Europäische Düngemittelverordnung lasse ausdrücklich den Einsatz von Knochen- und Federn zu, heißt es dazu aus dem Brandenburgischen Agrarministerium. Wichtig sei in jedem Fall ein gültiges Zertifikat für die Mischung.

Eine Gefahr für die Umwelt schließt das Ministerium aus. Die stinkende Masse müsse rasch mit Erde bedeckt werden, um Ausdünstungen zu vermeiden. Das passiert aber offenbar nicht immer, wie das Beispiel Schönfließ zeigte. Die gestern in den Ort beorderten Fachleute der Kreisverwaltung Oberhavel konnten jedoch auf den betreffenden Feldern keine Verstöße gegen die Vorschriften feststellen.

Auch Gülle muss unverzüglich unter die Erde gebracht werden. Darüber wachen die Kreisverwaltungen sowie die „Düngemittelverkehrskontrolle“ des Agrarministeriums.

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