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Bombenentschärfung : Tausende Potsdamer müssen Wohnungen verlassen

Die explosiven Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkriegs lassen Potsdam nicht zur Ruhe kommen. Für die Entschärfung einer Weltkriegsbombe mussten am Freitag mehr als 10.000 Potsdamer ihr Zuhause verlassen.

Tausende Menschen in Potsdam haben am Freitagmorgen wegen der Entschärfung einer 250 Kilogramm schweren US-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg ihre Wohnungen verlassen. Das hauptsächlich mit Hochhäusern bebaute Wohngebiet Am Stern im Südosten der Stadt sei evakuiert und abgesperrt worden, sagte ein Stadtsprecher. Nun würden 330 Mitarbeiter der Stadt kontrollieren, ob alle 10.500 Betroffenen ihre Wohnungen wie angeordnet verlassen hätten. Der Sprengkörper war vom Kampfmittelbeseitigungsdienst auf einem Privatgrundstück entdeckt worden, nachdem ein Anwohner Verdacht geschöpft hatte.

Es ist die drittgrößte Evakuierungsaktion in Potsdam: Nur bei zwei Bombenentschärfungen in der Lotte-Pulewka-Straße im Jahr 2006 mussten mehr Menschen das betroffene Gebiet verlassen. Damals wurden neben dem Zentrum-Ost auch Teile der Innenstadt einschließlich des Bergmann-Klinikums geräumt. Etwa 12 000 Menschen waren betroffen.

Die Stadt Potsdam stellt für die betroffenen Anrainer Aufenthaltsmöglichkeiten in der Pierre-de-Coubertin-Oberschule zur Verfügung und hat ein Bürgertelefon eingerichtet. Im Evakuierungsgebiet müssen keine Schulen geschlossen werden, weil am Freitag noch Ferien sind. Mit den Kitas im Sperrbereich habe die Stadt Kontakt aufgenommen. Für die Dauer der Evakuierung sollen Ausflüge gemacht werden.

Der Sperrkreis umfasst das Gebiet nördlich der Nuthestraße und reicht im Westen bis an die Katharina- und die Gagarinstraße. Im Norden geht der Sperrkreis entlang der Mozart- und Schubertstraße, über die Lortzingstraße, den Ratsweg, die Mendelsohn-Bartholdy-Straße bis zum Hubertusdamm. Die östliche Begrenzung des Sperrkreises sind die Stein- und die Jagdhausstraße.

Zuletzt musste im Juli eine in Bornim gefundene Fliegerbombe in einem nahen Waldstück gesprengt werden. Der 75 Kilogramm schwere Blindgänger war im Gegensatz zu den meisten in Potsdam gefundenen Bomben sowjetischen Ursprungs. Eine Schule und zwei Kitas wurden geschlossen. 3000 Menschen mussten das Gebiet verlassen. Häufig werden in Potsdam amerikanische 250-Kilogramm-Bomben entdeckt. Die Mehrzahl von ihnen wurde bei dem verheerenden Bombenangriff am 14. April 1945 abgeworfen. 1752 Tonnen Bomben gingen damals auf die Stadt nieder. Mehr als 1500 Menschen starben dabei.

Seit 1989 sind in Potsdam bereits mehr als 130 Fliegerbomben gefunden worden. Wie viele es genau sind, ist derzeit unklar. Eine neue Statistik will die Stadtverwaltung aber noch im Herbst veröffentlichen. Nach Angaben der Stadt aus dem vergangenen Jahr sind jedoch schon fast alle Grundstücke von Kitas und Schulen auf Blindgänger untersucht worden.

Für Informationen zur Evakuierung wird ein Bürgertelefon unter Tel.: (0331) 289 1 6 66 geschaltet. Es ist am Freitag ab 6.30 Uhr besetzt.

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