Brandenburg : Schweinegrippe-Verdacht: 70-jähriger Cottbuser erkrankt

Der Hausarzt schlug Alarm, als er bei dem Rentner Grippesymptome feststellte. Der Mann war mit seiner Frau in Mexiko – und über Berlin zurückgeflogen.

Sandra Dassler

Cottbus - Erneut gibt es in Brandenburg einen Verdachtsfall auf Schweinegrippe. Ein 70-jähriger Cottbuser, der am 1. Mai mit seiner Frau von einer längeren Reise nach Mexiko, Chile, Peru und den USA zurückkam, hatte am 5. Mai grippeähnliche Symptome bekommen.

„Als er am 6. Mai seinen behandelnden Arzt davon informierte, entschloss sich dieser zu einem Hausbesuch“, sagt die Cottbuser Amtsärztin Christiane Glosemeyer: „Dabei stellte der Arzt fest, dass ein Verdacht auf eine Infektion mit dem Schweinegrippen-Virus H1N1 vorlag. Er begann sofort mit der antiviralen Behandlung, stellte die Kontaktpersonen fest und informierte auch das Gesundheitsamt.“

Man habe, so die Amtsärztin, eine Einweisung des 70-Jährigen in ein Krankenhaus geprüft. Da es diesem aber relativ gut gehe, sei eine sogenannte häusliche Isolation angeordnet worden, die auch für die Ehefrau und den in einer eigenen Wohnung lebenden Sohn des Paares gelte. Dieser hatte seine Eltern nach ihrer Rückkehr besucht und erhielt vorsorglich Medikamente. Zwei weitere Kontaktpersonen seien über Vorsichtsmaßnahmen belehrt worden.

Ob es sich tatsächlich um die neue Influenza handelt, werden die Laboruntersuchungen im Nationalen Referenzlabor des Robert-Koch-Instituts (RKI) ergeben. Das brandenburgische Gesundheitsministerium rechnet erst morgen mit den Ergebnissen.

Da bisher bei der Ehefrau keine Symptome auftraten und das Paar bereits am 30. April beziehungsweise am 1. Mai morgens den nordamerikanischen Kontinent verließ, ist die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit Schweinegrippe allerdings gering. Bisher wurde die Inkubationszeit von H1N1 mit ein bis vier Tagen angegeben. „Sie kann aber auch sieben Tage betragen, deshalb wollen und müssen wir jedes Risiko ausschließen“, sagte der Infektionsschutzbeauftragte des Landes Brandenburg, Ulrich Widders, gestern dem Tagesspiegel: „Auf den Flughäfen und bei den Gesundheitsbehörden geht man auch von einer kritischen Zeit von etwa sieben Tagen aus.“

Der Grund dafür dürfte nicht nur darin bestehen, dass der Ausbruch einer Krankheit immer auch vom Immunsystem des Betroffenen abhängt, sondern dass niemand genau weiß, wie das Virus mutiert. Relativ sicher sind sich die Experten inzwischen aber darin, dass ein Infizierter einen Gesunden frühestens 24 Stunden vor dem ersten Auftreten von Symptomen anstecken kann.

Das Cottbuser Paar war, wie schon zuvor die beiden an Schweinegrippe Erkrankten aus Frankfurt (Oder) mit dem Flugzeug in Berlin-Tegel gelandet. Es kam mit einer Maschine aus Paris und zuvor aus den USA.

Die 53-jährige Frau aus Frankfurt (Oder) und ihr 57-jähriger Ehemann, die – wie berichtet – seit dem vergangenen Wochenende im Frankfurter Klinikum behandelt wurden, werden am heutigen Freitag aus dem Krankenhaus entlassen. Sie waren am 27. April im selben Flugzeug aus Mexiko zurückgekommen wie eine aus Hamburg stammende infizierte Frau. Ob sich die beiden Frankfurter im Flugzeug oder bereits in Mexiko angesteckt haben, werde man, so die Behörden, allerdings nie erfahren.

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