Boxen : Brandenburg-Tag: FF - wie "Freundliches Frankfurt"

Claus-Dieter Steyer

"Kaffeeduft statt Benzingestank", heisst ein Motto des morgigen Brandenburg-Tages in Frankfurt. Denn zum größten Volksfest des Landes wird die Brücke über die Oder zum polnischen Slubice komplett für den Autoverkehr gesperrt. Wo sich sonst Tag und Nacht eine Autoschlange zum Grenzübergang quält, wird eine 120 Meter lange Kaffeetafel aufgebaut. Platz nehmen kann ab 15 Uhr jedermann - und ordentlich zugreifen. Denn die Bäcker der Region wollen rund 40 000 Stück Kuchen und 300 Torten für einen guten Zweck verkaufen. Die von einem Radiosender vorbereitete Aktion soll bisher einmalig sein. Deshalb soll die "grenzenlose Kaffeetafel" auch ins Guinness-Buch der Rekorde.

Ausdrücklich wurden die polnischen Einwohner vom anderen Flussufer nicht nur zu dieser Aktion eingeladen. Zwischen 11 Uhr und den späten Abendstunden werden auf 13 Bühnen Musik und Unterhaltung aller Art, Programme und Informationen geboten. Die 75 000 Einwohner zählende Stadt will dabei die "Chance für einen Imagegewinn" nutzen, wie Oberbürgermeister Wolfgang Pohl erklärte. Eigens für das Landesfest wurden neue T-Shirts gedruckt. Anknüpfend an das Autokennzeichen "FF" wirbt der Ort jetzt mit dem Slogan "Freundliches Frankfurt". Ob es mehr als ein guter Spruch ist, wird sich schon morgen zeigen. Denn mit Informations- und Verkaufsständen sind in der ganzen Stadt Vertreter von 20 Nationen vertreten. Sie bauen rund um die Marienkirche einen "Weltmarkt" auf. Zusätzlich öffnet die Europa-Universität "Viadrina" von 10 bis 18 Uhr ihre Türen. Interessenten erhalten Informationen zu den Studiengängen in den drei Fakultäten Rechts-, Wirtschafts- und Kulturwissenschaften. Ein Drittel der rund 3000 Studenten kommen aus Polen. Bis 15 Uhr können Neugierige die Universitätsbibliothek mit rund 300 000 Bänden besuchen.

Im Festgetümmel mit dem nicht alltäglichen Besuch von Zehntausenden Menschen aus dem ganzen Land will Frankfurt auch für zwei neue Marken mit dem Stadtnamen werben. Der vor vier Monaten gestartete Verkauf von "Frankfurter Pilsner" soll weiter angekurbelt werden. Zwar gab es anfangs Proteste aus der Schwesterstadt am Main wegen des fehlenden Zusatzes "an der Oder". Aber das sei unbezahlbare Reklame für das neue Getränk gewesen, sagt die Pressesprecherin der Stadt, Sabine Mehwald. Nun wird der Oberbürgermeister gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten Manfred Stolpe das erste Fass mit "Frankfurter Pilsner" anstechen. Auf die gleiche Aufmerksamkeit hofft der Produzent des "Oderhefekloßes". Die Speise war vor 40 Jahren in der Stadt entwickelt worden.

Eine besondere Premiere wird es schon heute Abend geben. Denn erstmals nach den großen Zerstörungen während des Zweiten Weltkrieges kann in der Marienkirche das 800 Plätze bietende Langschiff für ein Konzert genutzt werden. Das Staatsorchester Frankfurt (Oder), die Singakademie und polnische Solisten laden ab 20 Uhr zur szenischen Kantate "Carmina Burana" von Carl Orff ein. Restkarten sind an der Abendkasse noch erhältlich.

Das Zentrum der Stadt wird am Freitag und Sonnabend weiträumig abgesperrt. In den Außenbezirken gibt es ausgeschilderte Parkplätze, von denen Busse zum Festgelände verkehren. Die Stadtbrücke nach Slubice ist den ganzen Sonnabend bis zum Sonntagmorgen ausschließlich Fußgängern vorbehalten. Die nächsten Ausrichter des Brandenburg-Tages sind Luckau und Neuruppin.

0 Kommentare

Neuester Kommentar