Boxen : Brandenburg wettet nicht auf die Rennbahn

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Hoppegarten - Das Land Brandenburg will nicht Miteigentümer der Galopprennbahn Hoppegarten werden. Die von Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) jetzt überraschend vorgeschlagene Landesbeteiligung hat keine Chance auf Zustimmung im Kabinett. Staatskanzleichef Clemens Appel (SPD) rügte offen den unabgestimmten und von der bisherigen Regierungslinie abweichenden Vorstoß von Junghanns. „Wer sich als Robin Hood von Hoppegarten profilieren will, muss auch eins wissen: Er spielt auf unzulässige Weise mit den Hoffnungen von Bürgern“, sagte Appel. Eine Landesbeteiligung an der von Junghanns vorgeschlagenen Stiftung, mit der Brandenburg zum Miteigentümer der Anlage würde, sei keine „tragfähige Lösung – so sehr wir uns auch eine wünschen“.

Die Rennbahn Hoppegarten befindet sich im Eigentum der bundeseigenen Treuhandnachfolgegesellschaft BVVG. Der bisherige Betreiber Union-Klub hatte im Herbst Insolvenz angemeldet. Die BVVG versucht seit längerem, das Land zu einer Beteiligung zu bewegen, damit die Anlage erhalten bleibt und weiter Galopprennen möglich sind. Schon 1994 hatten sich BVVG, Land und Rennklub schriftlich auf ein Stiftungsmodell geeinigt. Die von Junghanns vorgeschlagene Stiftung soll im Gegensatz zu bisherigen Plänen jedoch nicht mehr selbst Betreiber sein, sondern eine reine Besitzgesellschaft werden. Die Traditionsrennbahn wird an einen Investor verpachtet.

Doch die Logik will im Kabinett nicht recht einleuchten, zumal das Land eine Million Euro zahlen soll. „Die BVVG könnte doch auch so die Anlage längst verpachten“, sagt Appel. „Das Problem ist doch gerade, dass man keinen Betreiber hat.“ Junghanns selbst hatte sich nach Angaben von Teilnehmern bei der letzten Kabinettsberatung über Hoppegarten gegen eine Beteiligung des Landes ausgesprochen. Das ist dem Vernehmen nach auch die klare Position von Regierungschef Matthias Platzeck. Vor diesem Hintergrund wird in Regierungskreisen vermutet, dass „sachfremde Erwägungen“ beim Vorstoß von Junghanns eine Rolle spielen könnten, da er die Niederlage einkalkulieren muss. „Man muss fast annehmen, dass der schwarze Peter weggeschoben werden soll“, sagte Appel.

Aus Sorge, dass die Regierung nach mehreren gescheiterten Großprojekten erneut „ein Fass ohne Boden“ übernehmen könnte, ist auch Finanzminister Rainer Speer ein entschiedener Gegner einer Landesbeteiligung. Speers Kommentar zum neuen Vorschlag: „Ich kann keine Fortschritt gegenüber den bisherigen Modellen erkennen“, sagte Speer. „Neu wäre höchstens, dass sich der Einsatz des Landes verdoppeln würde.“ Speer habe den Eindruck, dass die „Bereitschaft von Dritten, die Anlage zu übernehmen und zu betreiben, nicht hinreichend geprüft wurde“. Insofern sollte zuerst alles getan werden, um einen Investor für die Bahn zu finden. thm

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