Boxen : Braune Kameraden organisieren sich neu

Rechtsextremer „Märkischer Heimatschutz“ beschließt Selbstauflösung – und schaut zur NPD

Frank Jansen,Peter Tiede

Potsdam/Berlin - Brandenburgs Rechtsextreme sind offenbar gezwungen, sich neu zu organisieren. Nach Erkenntnissen von Brandenburger und Berliner Sicherheitsbehörden lösen sich zunehmend fest organisierte neonazistische Kameradschaften auf, um dem staatlichen Verfolgungsdruck in Brandenburg und Berlin auszuweichen. So hat sich am vergangenen Wochenende eine der früher aktivsten rechtsextremen Organisationen, der „Märkische Heimatschutz“ (MHS) Berlin-Brandenburg, aufgelöst. Nach Informationen des Tagesspiegels ist die Gruppierung damit nur knapp einem bevorstehenden Verbot durch das brandenburgische Innenministerium entgangen. „Das Verbot stand kurz bevor“, sagte ein Kenner der Szene.

Nachdem in Brandenburg immer wieder rechtsextreme Kameradschaften verboten worden waren, sei der Druck auf ähnliche Gruppierungen gewachsen, sich entweder selbst aufzulösen oder „harmloser und biederer weiterzumachen“. So hatten sich allein in diesem Jahr die „Lausitzer Front“ Guben, der „Sturm Cottbus“ und die „Gesinnungsgemeinschaft Südostbrandenburg“ aufgelöst. Nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden streitet die rechtsextreme Szene über ihre Strategie. „Die einen wollen ohne feste Strukturen und Mitgliederlisten, aber mit einem losen Netzwerk weiter für ihre Ziele kämpfen und demonstrieren. Andere wollen in die NPD“, erklärte ein Szenekenner.

Allerdings könnte der erzwungene Strategiewechsel der Rechtsextremen auch zum Problem für die Staatsschutzabteilung der Polizei und für die Verfassungsschützer werden: Galten die Kameradschaften als relativ leicht zu überwachen, so könnten lose Netzwerke unauffälliger agieren. „Es ist schon heute so, dass wir in Brandenburg kleine lokale und regionale Gruppen haben, die sich je nach Anlass mit anderen im Land und in Berlin verbünden und jedes Mal unter einem anderen Namen und unter einer anderen Fahne auftreten – die werden flexibler“, sagte ein Berliner Experte.

Die Verfassungsschutzbehörden Brandenburgs und Berlins gehen davon aus, dass nach Auflösung des vorwiegend im Nordosten Brandenburgs aktiven MHS auch viele Ex-Mitglieder in die NPD eintreten werden. MHS-Gründer Gordon Reinholz erklärte nach dem Beschluss zur Auflösung, man werde „neue politische Wege beschreiten“. Nach Tagesspiegel-Beobachtungen nahmen führende Mitglieder des MHS kürzlich an einer von der NPD veranstalteten Demonstration in Berlin-Tegel teil, ohne dass sie sich als MHS zu erkennen gegeben hätten. Der ehemalige Anführer der Berliner Sektion des MHS und heutige Aussteiger Gabriel Landgraf sagte, nach dem Verbot der Kameradschaften „Tor“ und „Baso“ habe es bereits Überlegungen zur Auflösung des MHS gegeben. Man habe erwogen, „entweder in die autonomen Strukturen zu gehen oder aber in die NPD“. Zunächst sei es nicht dazu gekommen, weil MHS-Anführer Reinholz, „sein Baby nicht sterben lassen wollte“. Landgraf vermutet, dass nur ein Teil des MHS in die NPD wechseln wird – insbesondere Reinholz, der bereits im Jahr 2005 für die NPD kandidiert hat und enge Beziehungen zu NPD-Bundesgeschäftsführer Frank Schwerdt unterhält. Außerdem sei die Führungsmannschaft der Berliner MHS-Sektion bereits in die NPD eingetreten.

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