Boxen : Bröckelnde Schlösser: Sofortprogramm beschlossen

Die letzte Entscheidung treffen aber die Parlamente – vermutlich im Herbst

Claus-Dieter Steyer

Potsdam - Der schleichende Verfall vieler preußischer Schlösser und Gärten in Potsdam und Berlin kann nur mit einer Verdreifachung der bisherigen Ausgaben für die Restaurierung gestoppt werden. Sonst droht nicht nur die Schließung weiterer Häuser, sondern sogar die Aberkennung des Titels „Unesco-Weltkulturerbe“. Das machte der Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Hartmut Dorgerloh, gestern nach der Sitzung des Stiftungsrates deutlich. Darin sind neben der Bundesregierung die Länder Brandenburg und Berlin vertreten. „Wir brauchen in den nächsten zehn Jahren eine zusätzliche Soforthilfe von 285 Millionen Euro, damit uns das kulturelle Erbe nicht unwiederbringlich verloren geht“, sagte Dorgerloh. Bisher stünden dem Baubereich jährlich nur 8,5 Millionen Euro zur Verfügung. „Falls wir so weitermachen, bricht vieles buchstäblich zusammen.“

Noch vor fünf Jahren hätten beispielsweise die Römischen Bäder im Park Sanssouci für Veranstaltungen vermietet werden können. Heute drohe der „ganze Kasten“, wie Dorgerloh sagte, ins Wasser abzurutschen. Im Neuen Palais seien immer weniger Räume zugänglich, im Orangerieschloss bröckele der Putz von der Decke, und beim Schloss Babelsberg helfe womöglich bald nur noch eine große Plane, um Parkspaziergänger nicht durch herabfallende Steine zu gefährden.

Die 285 Millionen Euro, die der Steuerzahler in den nächsten zehn Jahren für die Potsdamer Anlagen und das Schloss Charlottenburg aufbringen soll, sind aber nur ein geringer Teil des gesamten Investitionsbedarfs der Schlösserstiftung: Dieser liegt bei insgesamt 730 Millionen Euro, die in den nächsten 25 Jahren aufgebracht werden müssen. Die hohe Summe bezieht sich auf rund 300 Bauten, rund 750 Hektar historische Gärten und mehr als 120 000 Kunstwerke.

Dorgerloh zeigte sich optimistisch, dass Berlin (20 Prozent Anteil am Stiftungsbudget), Brandenburg (38 Prozent) und der Bund (42 Prozent) wenigstens die 285 Millionen zusätzlich zum Stiftungshaushalt von 50 Millionen Euro im Jahr zur Verfügung stellen. Der Stiftungsrat habe das von ihm vorgestellte Sofortprogramm bestätigt. Entscheiden müssen über die Mittel aber der Bundestag und die beiden Länderparlamente. Dies wird für Herbst erwartet. „Die bisher empfangenen Signale aus Berlin und Potsdam klingen sehr optimistisch“, sagte Dorgerloh.

Zugleich räumte der Generaldirektor ein, in den vergangenen Jahres etwas zu leise über den Zustand der Schlösser geklagt zu haben. Aber jetzt, da in Berlin und Potsdam über den Neubau von Schlössern entschieden worden sei, könne er nicht mehr Zurückhaltung üben. Die bestehenden Schlösser dürften nicht in Vergessenheit geraten. Er verteidigte die Entscheidung seines Vorgängers Hans-Joachim Giersberg, in den 90er Jahren die Schlösser in Rheinsberg, Caputh, Paretz, Königs Wusterhausen und Oranienburg in die Stiftung aufzunehmen und für deren Restaurierung viel Geld auszugeben. Sie seien echte Schmuckstücke geworden und zögen viele Touristen an. Seit der Gründung vor zwölf Jahren hat die Stiftung rund 165 Millionen Euro in ihre Schätze investiert.

Auch weiterhin sollen private Spender gesucht und angesprochen werden. Ihr Engagement habe bisher vor allem beim Belvedere auf dem Klausberg im Park Sanssouci, bei den Schlössern Caputh und Paretz sowie beim Belvedere auf dem Potsdamer Pfingstberg bewundernswerte Ergebnisse gezeitigt. Auch die schon länger diskutierte Einrichtung von Ferienwohnungen in denkmalgeschützten Gebäuden will die Stiftung privaten Unternehmen überlassen, da die Gewinnerwartungen anfangs eher gering seien.

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