Buchsammlung : Der Alte Fritz von allen Seiten

9000 Bücher von und über den Preußenkönig Friedrich den Großen hat Gerhard Knoll gesammelt. Jetzt verkauft er seine wertvolle Bibliothek an die Schlösserstiftung.

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Königliches Hobby. Schon als Kind interessierte sich Gerhard Knoll aus Bremen für Friedrich II. und andere Preußenherrscher. Seine...dpa-Zentralbild

Potsdam - Wie Gerhard Knoll auf Friedrich den Großen kam? „Es waren Zigarettenbilder“, sagt der 68-Jährige. Am Ende des Zweiten Weltkrieges habe es keine Kinderbücher mehr gegeben. Also sammelte er Zigarettenbilder. Im Juni 1945 erhielt er ein Bild, auf dem Friedrich der Große Brot an Kinder verschenkte. „Das hat mich besonders beeindruckt“, erinnert sich Knoll. Schließlich habe es damals kaum etwas zu essen gegeben. Und dann habe ihn Friedrich der Große (1712–1786) nicht mehr losgelassen.

Bis heute sammelte Knoll tausende Bücher von und über den König von Preußen. Seine Sammlung umfasst 9000 Bände. Jetzt hat er sie der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg übergeben. „Es freut mich besonders, dass die Stiftung die komplette Sammlung übernimmt, so wird sie nicht zerpflückt“, sagte Knoll am Mittwoch in Potsdam bei der offiziellen Präsentation der Bibliothek in der Villa Liegnitz im Schlosspark von Sanssouci.

Sechs fast zimmerhohe Doppelregale füllen die Bücher in einem eigenen Raum der Villa aus. Stiftungs-Generaldirektor Hartmut Dorgerloh nennt Knoll einen „Bibliomanen“ und „Bibliophilen“. Seine Sammlung sei einzigartig und setze einen besonderen Akzent in der Forschungsarbeit der Stiftung. Zudem ersetze die Sammlung bedeutende Kriegsverluste. Und Brandenburgs Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) bezeichnet die Sammlung als „weltweit einmalige Forschungsbibliothek“. Die Stiftung hat laut Dorgerloh einen hohen sechsstelligen Betragfür die Sammlung aufgebracht. Die Finanzierung wurde von der Kulturstiftung, dem Kulturministerium und dem Museumsshop der Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten unterstützt. Zur Sammlung Knolls, der einst die Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek Bremen leitete, gehört neben den Werkausgaben des Königs die nahezu vollständige zeitgenössische Literatur zu Friedrich dem Großen. Hinzu kommt nach Angaben der Stiftung der umfangreichste Altbestand zur Rezeptionsgeschichte der preußischen Herrscher von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis um 1800.

Die Kollektion enthalte mehr Ausgaben friderizianischer Werke als die 1877 angelegte berühmte „Friderizianische Sammlung“ der Königlichen Hausbibliothek zu Berlin, die im Zweiten Weltkrieg verloren ging, sagt Stiftungschef Dorgerloh. Die „Bibliothek Knoll“ sei umfangreicher und vollständiger als vergleichbare Sammlungen aller großen deutschen Bibliotheken und der Bibliothèque Nationale in Paris. Einzigartig sei auch der Bestand an Trivialliteratur.

Die Schlösserstiftung will die Sammlung Knoll jetzt für die wissenschaftliche Nutzung aufbereiten. Jedes Werk erhält eine Signatur. Später können dann Wissenschaftler auf Anfrage in der Bibliothek forschen. Auch fachliche Führungen soll es geben. Dabei wird sicher auch immer wieder eines der größten Bücher gezeigt werden: Es ist ein britisches Wörterbuch, das 1741 erschienen ist. ddp

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