• Bürgermeister gegen Wirtschaftsverbände Anhörung zu Nachtflügen in Schönefeld begann

Boxen : Bürgermeister gegen Wirtschaftsverbände Anhörung zu Nachtflügen in Schönefeld begann

Stefan Jacobs

Schönefeld - Seit gestern wird verhandelt, ob und wie oft am Flughafen BBI nachts geflogen werden darf. Zunächst äußern sich Verwaltungen und anerkannte Vereine zum Konzept der Flughafengesellschaft. Das musste nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts neu erarbeitet werden: Die Richter hielten das zuvor vom Potsdamer Verkehrsministerium als lärmbelastet definierte Gebiet für zu klein und verboten Nachtflüge zwischen 0 und 5 Uhr. Für die „Randzeiten“ von 22 bis 24 und 5 bis 6 Uhr forderten sie Bedarfsnachweise.

Nach einer Umfrage unter den Airlines hat die Flughafengesellschaft für die fraglichen Stunden etwa 90 Flugbewegungen pro Tag beantragt. In der jetzigen Anhörung muss die Luftfahrtbehörde das prüfen und gegen mehr als 36 000 eingegangene Einwände abwägen. Während Privatleute zumeist aus Angst um ihre Nachtruhe protestiert haben, sind die Anmerkungen der öffentlichen Stellen vielfältiger. Jörg Sonntag, stellvertretender Bürgermeister des in der Einflugschneise gelegenen 25 000-Einwohner-Ortes Blankenfelde-Mahlow, erklärt, worauf es seiner Gemeinde ankommt: Man wolle vom Flughafen als Lärmverursacher Geld für Schallschutz plus Lüftung in Schulen und Kitas; notfalls müsse der Flughafen sogar Umzüge solcher Einrichtungen aus den lautesten Bereichen bezahlen. Über den gegenwärtigen Stand der Schallschutztechnik habe man sich in der Nachbarschaft des Flughafens Frankfurt am Main informiert, um möglichst konkrete Forderungen stellen zu können. Außerdem wolle die Gemeinde die Gesamtzahl der Flüge im Interesse der Einwohner so gering wie möglich halten – erst recht am späten Abend und frühen Morgen. Ähnliche Ziele verfolgen bei der Anhörung auch die Bürgermeister mehrerer weiterer Anrainergemeinden des geplanten BBI.

Die Luftfahrtbehörde nimmt die Argumente zu Protokoll und bereitet sie fürs Brandenburger Infrastrukturministerium auf, das daraus bis 2009 eine neue Genehmigung für den Nachtflugbetrieb schmieden muss. Vertreter der Flughafengesellschaft sitzen die ganze Zeit mit im Raum, um ihre Gegenargumente vorbringen zu können. Oder um zustimmend zu nicken, wenn beispielsweise die Industrie- und Handelskammern die Vorteile von Abendflügen für die Wirtschaft erklären. Das können etwa Jobchancen für Wartungspersonal sein, wenn Maschinen nach dem Flug in Schönefeld übernachten. Für die Wirtschaft gilt: Je kürzer die Nacht, desto besser.

Ab nächster Woche können sich dann Privatleute äußern. Der Bürgerverein BVBB, der tausende BBI-Gegner vertritt, konzentriert seine Kräfte nach eigener Auskunft allerdings nicht auf die Anhörung, sondern auf eine Klage gegen die neue Genehmigung. Stefan Jacobs

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