Buga : Da wächst was heran

Wie es eine Brandenburger Region geschafft hat, sich gegen erhebliche Widerstände aus der Hauptstadt durchzusetzen und damit auch noch die Juroren zu begeistern.

Thorsten Metzner

BerlinWas für ein außergewöhnlicher Erfolg! Fontanes Havelland um die 850-jährige Stadt Brandenburg hat es tatsächlich geschafft: nach Cottbus und Potsdam eine dritte Bundesgartenschau ins Land zu holen. Gestartet als Außenseiter, lange belächelt als Traumtänzer, denen die Platzeck-Regierung lange Steine in den Weg legte, haben die Bewerber aus der Mark den Konkurrenten Karlsruhe geschlagen. Das Geheimnis? Zum einen das innovative Konzept. Die alte deutsche Stadtpark-Blumenschau hat sich überlebt. Stattdessen eine ganze Region, eine Kulturlandschaft zu präsentieren, das machte den Unterschied aus.

Entscheidend aber auch: Brandenburg gilt nicht ohne Grund als eher obrigkeitsgeprägtes Land, in dem zumeist die Regierung in der Hauptstadt den Weg weist. Das war zu Fontanes Zeiten so, das war unter Honecker so. Das ist nicht selten auch heute noch so. Umso bemerkenswerter, wie fünf Kommunen in bisher einmaliger Weise auf eigene Ideen und Stärken gesetzt haben. Wagemutig, aber mit Realitätssinn für die finanziellen Gegebenheiten. Unter Führung der Brandenburger Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU), die spätestens nach dieser Operation auch landespolitisch ernst genommen werden muss, haben die Havelkommunen gegen alle Widerstände zusammengearbeitet. Sie haben die strukturschwache Region im Brandenburger Westen so begeistert, dass erst Matthias Platzeck und dann die Buga-Gesellschaft nicht mehr daran vorbei kamen. Das kann jetzt neue Energien freisetzen, ja sogar die Bildung einer Regionalidentität befördern, die es im Havelland – anders als etwa in der Lausitz – so noch nicht gibt.

Sicher, das Projekt erfordert noch viel Arbeit, und birgt auch noch viele finanzielle und logistische Risiken. Doch die Bundesgartenschau 2015 im Havelland, ertrotzt gegen die eigene Regierung, ist kein Blütentraum mehr. Das ist Demokratie im besten Sinne.

0 Kommentare

Neuester Kommentar