Boxen : Buga-Köpfe: Katrin Morgenstern gibt für die Kids den Takt an

Simone Leinkauf

"Die Affen rasen durch den Wald, ..." - die ganze Schülerbande brüllt. Laut und nicht immer in der richtigen Tonhöhe, dafür mit viel Schwung und Begeisterung grölt die vierte Klasse einer Babelsberger Grundschule das fetzige Volkslied. Sie sind nicht die einzigen: Seit Anfang Mai stehen montags bis freitags von neun bis etwa halb elf Uhr Schüler im Restaurantzelt auf der Buga, eine elektrische Gitarre oder Hölzer für das Schlagzeug in den Händen. Ton und Takt gibt Katrin Morgenstern an, die mit zwei Kollegen ihrer Musikschule das tägliche Musikprogramm im Rahmen des Grünen Klassenzimmers gestaltet.

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Die Bundesgartenschau in Potsdam Vor fünf Jahren machte sich die gebürtige Chemnitzerin, die zuvor am Institut für Musik der Potsdamer Universität als Assistentin arbeitete, mit ihrem Kollegen Andreas Bertheau selbstständig. Inzwischen beschäftigt ihre Musikschule im Potsdamer Neubauviertel Kirchsteigfeld 26 Mitarbeiter, bietet Unterricht von der Blockflöte bis zum Saxophon, ein Orchester und demnächst eine Band - und bis zum 7. Oktober eben auch das Programm "Junge Musik - Rhythmus und Melodie" auf der Buga an.

Katrin Morgenstern erzählt leise und zurückhaltend von ihrer Arbeit und - so ganz nebenbei - auch ein wenig von ihren beiden Töchtern, mit denen sie zur Zeit in Berlin lebt. Gemeinsam musizieren sie und gehen im Winter zum Eislaufen. Diesen Sommer ist die Mutter morgens mit der Buga und mittags mit der Musikschule, in der sie sich um Organisation und Verwaltung kümmert und außerdem etwa 20 Stunden selbst unterrichtet, voll ausgelastet. Denn das Engagement im Grünen Klassenzimmer nimmt viel Zeit in Anspruch: "Wir müssen die Anlage, die wir speziell hierfür angeschafft haben", erklärt Katrin Morgenstern, "jeden Tag neu auf- und abbauen". Das verlangt die Versicherung. Und so sind Katrin Morgenstern, Andreas Bertheau und der Musikstudent Martin Behm morgens spätestens um acht Uhr auf dem Gelände, damit um neun Uhr alles startklar ist. Und wenn die Kids schon längst beschwingt von dannen gezogen sind, um den Schultag auf der Buga mit einem Eis ausklingen zu lassen, sind die drei Musiker noch eine ganze Weile beschäftigt.

Doch der Einsatz lohnt sich: In den eineinhalb Stunden bekommen selbst Kinder Lust aufs Instrument, die ansonsten nur wenig mit Musik zu tun haben. Und da die drei ihren Saison-Job richtig gut machen, hat das auch Folgen: "Wir fragen bei Neuanmeldungen nicht immer", so Katrin Morgenstern, "ob jemand uns von der Buga kennt. Aber es kommen schon einige Kinder, die uns dort das erste Mal erlebt haben". Kein Wunder - die Arbeit mit den Kindern macht der 36-Jährigen Spaß, und das spüren diese: Selbst diejenigen, die ganz hinten in der Reihe sitzen und den Mund ansonsten kaum aufmachen, lassen sich von der Begeisterung der Musiklehrerin anstecken. So findet sich plötzlich das Mauerblümchen einer Klasse am Schlagzeug wieder und heizt seinen Mitschülern richtig ein. Im Anschluss ist Zuhören angesagt, wenn beim Musik-Quiz leise klassische Töne erklingen. Katrin Morgenstern liebt die Gegensätze - nicht nur in der Musik: Sie mag die Spielplätze auf der Buga. Ist sie aber ohne Kinder unterwegs, zieht sie ruhigere Orte vor: "Mir gefallen die Gräber, die sind einfach wunderbar."

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