Boxen : Bundesgartenschau: Das teuere grüne Erbe

Thorsten Metzner

Was kommt danach? Obwohl die Bundesgartenschau in drei Wochen endet, gibt es bislang kein tragfähiges Konzept für Pflege und Unterhaltung der entstandenen Grünanlagen. Jährlich rund sechs Millionen Mark wären nötig, um Lustgarten, Freundschaftsinsel, vor allem aber den Buga-Park im Bornstedter Feld künftig zu finanzieren. Doch im Stadthaushalt klafft bereits jetzt ein Defizit von 40 Millionen Mark.

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Die Bundesgartenschau in Potsdam Heute wollen Potsdams Stadtverordnete zunächst über eine Rathaus-Vorlage für ein Übergangsjahr abstimmen. Danach soll bis zum September 2002 "eine Lösung für Betrieb und Bewirtschaftung" der Anlagen gesucht und erst dann endgültig entschieden werden. Oberbürgermeister Matthias Platzeck (SPD) verteidigt dieses Vorgehen - und erhält weitgehend Rückendeckung selbst von der sonst bissigen PDS-Opposition. "Der Oberbürgermeister kann nicht nur die Lorbeeren für die Buga ernten", mahnt allerdings PDS-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg mit Blick auf ständig wiederkehrende Spekulationen, wonach Platzeck vorzeitig ins Schröder-Kabinett wechseln oder Regierungschef Stolpe beerben könnte. Er stehe in der Verantwortung, die Buga-Nachnutzung zu sichern.

Fest steht zumindest schon eins: Die Zäune um den Buga-Park im Bornstedter Feld werden auch nach dem Abschluss der Gartenschau vorsorglich nicht abmontiert, da nach einschlägigen Erfahrungen Vandalismus befürchtet werden muss. "Und die Erhebung eines moderaten Eintrittsgeldes wird erwogen", lautet der wohl heikelste Punkt der Vorlage. Denn in dem modernen Stadtpark soll künftig zwar all das erlaubt sein, was in den historischen Parkanlagen Potsdams bei Strafe verboten ist: Betreten der Rasenflächen, Grillen, Fahrradfahren, Inline-Skaten, freilaufende Hunde. Ob die mit Parks verwöhnten Potsdamer dafür aber wirklich ins Portemonnaie zu greifen bereit sind, ist allerdings fraglich. Als Vorbild wird in Brandenburgs Hauptstadt oft der eintrittspflichtige Britzer Garten in Berlin-Neukölln genannt, ebenfalls einst ein Buga-Gelände. Der Haken: Das Bornstedter Feld liegt nicht mitten in einer dichtbesiedelten Metropole, sondern am Rande einer grün- und wasserreichen 129 000-Einwohner-Stadt, die selbst lediglich so groß wie ein Berliner Stadtteil ist.

Ursprünglich war der rund 100 Millionen Mark teure Park auf dem früheren Militärgelände als Mittelpunkt eines neuen Stadtteils im Norden Potsdams geplant worden, dessen Aufbau sich mangels Bedarf inzwischen verzögert, dessen Pläne abgespeckt worden sind. Von 10 000 bis 15 000 Einwohnern, für die auch der Park geplant war, redet heute niemand mehr.

Um sorgfältig auszuloten, welche Möglichkeiten es dennoch für den Park gibt, sei das Testjahr notwendig, argumentiert Oberbürgermeister Matthias Platzeck. "Wir wollen flexibel auf vorhandenes Interesse reagieren." Dies sei besser als ein Konzept vom grünen Tisch, das am Ende nicht aufgehe, wie es andere Buga-Städte erfahren mussten. Dass eine kostenlose Nutzung ohne Zaun für den Park im Bornstedter Feld noch ermöglicht werden kann, hält Platzeck jedenfalls für ziemlich ausgeschlossen. So richten sich die Hoffnungen vor allem auf die bisherige Buga-Halle, deren Nachnutzung immerhin gesichert ist: Als "Biosphäre" mit Tropen-Ambiente soll sie ab Herbst Zehntausende Besucher anlocken.

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