Boxen : Bundesgartenschau: Ins Zentrum - und dann immer dem Duft nach

Stefan Jacobs

Die Landeshauptstadt Potsdam preist ihre Bundesgartenschau: Neben dem Park selbst gibt es so genannte Buga-Kulissen in der Stadt. Wir haben getestet, wie man dort hinkommt und wie man sich zurechtfindet.

Samstagmorgen, acht Uhr, Bahnhof Berlin-Alexanderplatz. Die Stiefmütterchen zittern im Winterwind. Der Tag überlegt noch, ob er aufstehen soll. In einer Stunde startet die Bundesgartenschau. Vom Zeitungskiosk lächeln zuversichtlich Gerhard Schröder und das Buga-Maskottchen von den Titelseiten. Bundeskanzler Gerd und Froschkönig Fritz. Ein seltsames Paar.

Mit 30 000 Besuchern rechneten die Veranstalter für das Eröffnungswochenende. Im S-Bahnwagen sitzen nur zwei ältere, wasserdicht verpackte Menschen. Nein, sie wollen nicht zur Buga, sagen die beiden. Auf der teilweise parallel zur Schienenstrecke verlaufenden Avus erübrigt sich die von den Buga-Planern ausgetüftelte "Lenkung der Verkehrsströme": zu wenig Autos.

Der Potsdamer Hauptbahnhof präsentiert sich mit bunten Fahnen und grün-gelben Bändern geschmückt. Am Übergang zur Bahnhofspassage leuchtet ein Blumenbeet mit Zimmerspringbrunnen und Skulpturen. Fotos sind aber streng verboten; Wachmänner verlangen eine Genehmigung, die es aber nur montags bis freitags - und nur im Centermanagement und nur auf schriftlichen Antrag - gibt. Jetzt wäre der Moment, wo Touristen wieder in die S-Bahn steigen und die Buga begraben könnten. Oder sie folgen der gut sichtbaren Buga-Ausschilderung zum anderen Ende der Bahnhofshalle.

Dort, im Reisezentrum, sitzt gut gelaunt Martina Kaatz, um Buga-Tickets zu verkaufen. "Bis jetzt hält sich die Nachfrage in Grenzen". Drei Karten hat sie verkauft. Aber es ist ja erst zehn nach neun. Der Extra-Schalter sei jeden Werktag von acht bis 19.30 Uhr geöffnet; an Wochenenden sogar länger, sagt Kaatz. "Für den ganz großen Ansturm stehen auch noch Lehrlinge zum Helfen bereit." Perfekter Service bei der Bahn - Dank der Buga!

Vor dem Bahnhof hält gerade die im Buga-Look lackierte 92er Straßenbahn Richtung Bornstedt. Hinter der Frontscheibe steckt ein BUGA-Schild - alles klar.

In der Bahn liegt ein Packen (nur deutschsprachiger) Faltblätter zum Mitnehmen, in denen sich sowohl ein brauchbarer Stadtplan als auch ein Veranstaltungskalender finden. Wer liest, verpasst allerdings die verschiedenen Buga-Orte in der Stadt: Freundschaftsinsel, Lustgarten, Stadtkanal und an diesem Wochenende zusätzlich das Tulpenfest im Holländischen Viertel. All das zieht am Fenster vorüber, manches ist noch unfertig, aber es zeigt den Kraftakt, der hier vor der Gartenschau vollbracht worden ist. An den Laternen hängen Buga-Ausschilderungen für Auto- und Radfahrer. Auch die Parkplätze an den "Orten am Fluss" und in der "Historischen Innenstadt" sind konsequent ausgeschildert. Auf den Fußwegen stehen Bastkübel mit Stiefmütterchen und Vergissmeinnicht. Das Grau der neuen Parks mag am Wetter liegen.

Nach einer Viertelstunde Zuckelei durch die Innenstadt legt die Straßenbahn durch eine weite Retortenlandschaft einen Zahn zu. Rasensaat, frisch gepflanzte Bäumchen, rechts der riesige, leere Buga-Parkplatz und in großen Schwüngen angelegte Beete mit gelben Stiefmütterchen. Ansonsten gibt es wenig, woran sich das Auge festhalten könnte. Angesichts dieser Weite wird auch die Ausflugsgesellschaft in der Bahn unruhig. Jemand erkundigt sich beim Fahrer, wie weit es denn noch sei bis zur Buga. "Da hätten Sie schon vorige Station aussteigen müssen." Die Haltestelle hieß "Schlegelstraße / Pappelallee"; die Ansage kam vom Band. "Da müsste noch was zur Buga angesagt werden", findet auch der Fahrer, als er an der Wendeschleife das Buga-Schild aus der Frontscheibe nimmt. Kein Mensch könne wissen, welche Haltestelle die richtige sei. Aber die meisten kämen ja ohnehin mit der neuen Linie 90 E. Die hält direkt vor dem Haupteingang der Gartenschau.

In der Ferne zwischen den frischen Erdwällen wandert die Ausflugsgesellschaft zum Buga-Eingang. Es kann ja nicht alles gleich perfekt sein.

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