Boxen : Bundesgartenschau: Kommunikation über den Holzweg

Hanne Bahra

Etwa 2500 Bäume hat die Bundesgartenschau der Stadt Potsdam beschert. Ein ganz besonderes Exemplar wird vom heutigen Dienstag an im Potsdamer Lustgarten als Zeichen für eine ganz spezifische Art von Wachstum und Bewegung stehen. Mit vielfarbiger pinienzapfenförmiger Krone und einem Stamm aus deutscher Eiche, aus brandenburgischen Fundstücken zusammengesetzt, ummantelt und belaubt mit Hölzern Argentiniens, Brasiliens, Paraguays und Uruguays, ist dieses sieben Meter hohe Kunstgewächs eine florale Stele mit Symbolwert für die Annäherung entfernter Gesellschaften und Kulturen.

Das Werk heißt "Hommage à la Correspondence III", weil es die dritte Skulptur dieser Art ist. Sie soll durch ihre Zusammensetzung die Beziehungen der Länder untereinander und das Zusammenspiel der Kontinente symbolisieren. Der eigentümliche Baum ist ein Geschenk der Republik Uruguay, des südamerikanischen Künstlers Ricardo Pascale und der Batuz Foundation. Sie ist eine internationale Stiftung, die vor 15 Jahren vom Künstler Batuz in Montevideo gegründet wurde. Die Stiftung bemüht sich um eine kontinuierliche Kommunikation zwischen Künstlern, Forschern, Industriellen und Politikern der verschiedener Kontinente. Elmar Zorn, Kunstberater der BUGA, hatte die Idee, die Stadt Potsdam mit der Batuz Foundation zusammenzubringen. Zorngehört zur Société Imaginaire, den korrespondierenden Mitgliedern der Batuz Foundation, die sich als Botschafter der Mercosur-Länder versteht.

Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss lateinamerikanischer Länder, der bisher nur wenigen ein Begriff ist. "Seit zehn Jahren gibt es eine 220 Millionen Menschen große, EU-gleiche Ländergemeinschaft, und hier weiß das niemand", wundert sich Batuz. Die europäische Zentrale seiner Foundation, eine internationale Kultureinrichtung mit Niederlassungen in Deutschland, den USA und Südamerika, befindet sich im sächsischen Altzella. Seit 1997 steht dort auf dem Gelände des alten Klosters ein ähnlicher Baum, ein weiterer vor dem Regierungsgebäude von Montevideo. Schöpfer all dieser Skulpturen ist Bildhauer Ricardo Pascale, seit der letzten Bienale in Venedig der Kunstwelt als Vertreter Uruguays bekannt. Zehn Jahre lang war der heute 59-Jährige Chef der Zentralbank seines Landes, ohne je seine Leidenschaft für die Bildende Kunst zu verleugnen.

Als Künstler ließ sich der Autodidakt und Weltenbummler Pascale stark von der europäischen Kunst inspirieren. Mit seinem Werk "Hommage à la Correspondence III" ruft Pascale leise Erinnerungen an den rumänischen Bildhauer Constantin Brancusi wach, dessen grundlegendes Gestaltungselement die Eiform als Urform war.

Pascale Baum steht in einer axialen Vernetzung mit jener Baumreihe im Potsdamer Lustgarten, die der ehemaligen Westfront des Stadtschlosses nachgestellt ist. Nach Meinung des Potsdamer Oberbürgermeisters Matthias Platzeck wird "an Potsdams beste historische Wurzeln angeknüpft". So wird in Potsdam ein Zeichen für Toleranz und Dialog mit ungewohnter Weltläufigkeit gesetzt, die dieser Stadt gut zu Gesicht steht. Allerdings ist das Holz selbst tot. "Nur wir Menschen können ihm im Glauben an die Idee der direkten Kommunikation wieder Leben geben. Diese Arbeit muss Wurzeln schlagen, blühen und Früchte tragen. Erst dann haben wir das Ideal erreicht, das in diesen Symbolen dargestellt ist", beschreibt Batuz seine Zukunftsvision, für die er gegenwärtig internationale Workshops für Schüler wie für Unternehmen der Großindustrie organisiert.

Zur öffentlichen Einweihung der Stele am heutigen Dienstag um 18 Uhr 30 werden neben Matthias Platzeck auch die First Lady Uruguays, Mercedes Menafra de Batlle und die neue Botschafterin des Landes, Zuluma Guelman, erwartet. Zudem kommen 23 Künstler aus Uruguay, Argentinien, USA und Israel, die derzeit an einem Workshop in Altzella teilnehmen.

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