Boxen : CDU an der Havel weit vorn

Brandenburger Bürgermeisterwahl: Dietlind Tiemann gewann mit Abstand vor SPD-Kandidat. Zur absoluten Mehrheit reichte es nicht

Thorsten Metzner

Brandenburg/Havel. Norbert Langerwisch ist erst mal abgetaucht. Der SPD-Kandidat zog sich zur Krisensitzung mit Landesgeschäftsführer Klaus Ness zurück, als sich am Abend die Niederlage für die Genossen in der Stadt Brandenburg abzeichnete: Bei der Oberbürgermeisterwahl in der Stadt Brandenburg liegt die CDU nach Auszählung aller Wahlkreise klar vorne: 48,29 Prozent für die CDU-Kandidatin, die Unternehmerin Dietlind Tiemann. Nur 32,28 Prozent für Langerwisch, den Amtsinhaber. Petra Faderl von der PDS erhielt 10,93 Prozent.

„Dramatisch“, so die erste Reaktion von Ness. Dass es so schlimm kommt, haben die Sozialdemokraten nicht erwartet. Sie sprechen von einem Erdrutsch. Und Tiemann? Sie scheint selbst überrascht, wie nahe sie dem Sieg gekommen ist. Nur knapp hat sie den Sprung über die 50-Prozent-Hürde und damit den direkten Einzug ins Rathaus ohne Stichwahl verpasst. Sie habe nicht erwartet, dass die Brandenburger den Mut haben, sich so klar für den Wechsel zu entscheiden, gesteht sie in einer ersten Reaktion. Die Situation in der Stadt sei bekanntlich schwierig.

Ernste, betretene Gesichter bei den Sozialdemokraten. Wenig später tritt Langerwisch vor die Kameras im Kulturzentrum, wo der RBB sein Wahlstudio aufgebaut hat. Auch der SPD-Parteichef und Ministerpräsident Platzeck ist hier, er wirkt angespannt, die Miene ist ernst. Er sei enttäuscht, sagt Langerwisch, die Havelstädter hätten offensichtlich die SPD abwatschen wollen. Noch am Nachmittag, als er von der bemerkenswert hohen Wahlbeteiligung – am Ende 47,78 Prozent – hört, war er optimistisch: Brandenburg sei nicht so, dass es mehrheitlich „schwarz wähle“.

Nun also doch. Und nicht nur wegen des Bundestrends. Zu viel ist hier bei den Genossen schiefgelaufen. Eine Problemstadt: hohe Arbeitslosigkeit, jahrelange Misswirtschaft. Das erst vor einem Jahr gewählte SPD-Stadtoberhaupt Helmut Schmidt hatte wegen Erschöpfung aufgeben müssen. Jetzt der Ärger vieler Bürger über die Bundesregierung.

Ungetrübt freuen jedoch konnte sich auch die CDU nicht: Wegen einer Bombendrohung wurde ihre Wahlparty für eine dreiviertel Stunde unterbrochen. Dann gab die Polizei Entwarnung.

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