Boxen : CDU gewinnt in der Wählergunst

MICHAEL MARA

POTSDAM .Lange Zeit hat sich in Brandenburg kaum jemand für Meinungsumfragen interessiert.Was nicht weiter verwunderlich ist, denn im politischen Stimmungsbild gab es keine Schwankungen: Die absolute Mehrheit der SPD schien unerschütterlich, ein Umfrage-Durchschnittswert von 55 Prozent für die regierenden Sozialdemokraten programmiert.CDU und PDS dümpelten ebenso konstant unter 20 Prozent dahin.Neuerdings werden die Umfragen wieder mit größter Spannung erwartet, was nicht nur an der näherrückenden Landtagswahl liegt.Vielmehr ist in die bislang starren politischen Fronten Brandenburgs erstmals Bewegung gekommen: Seit Ex-Senator Jörg Schönbohm im Januar die Zügel in die Hand nahm, geht es mit der CDU aufwärts - zu Lasten der SPD.

So nimmt es nicht wunder, daß das Ergebnis der jüngsten Infratest-Umfrage im Auftrag von ORB und Märkische Allgemeine Zeitung bereits unter Brandenburgs Politikern kursiert - ehe es überhaupt veröffentlicht worden ist.Der Trend ist seit Februar eindeutig: Die SPD sinkt weiter - auf jetzt 51 Prozent, die CDU steigt von zuletzt 21 auf 23 Prozent.Sozialdemokraten sehen die absolute Mehrheit jetzt erstmals in Gefahr."Die Verhältnisse normalisieren sich", kommentiert Fraktionschef Wolfgang Birthler."So tief wie die CDU gesunken war, konnte es nur hochgehen." Er glaube zwar nicht, daß der Trend anhalten werde.Doch räumt Birthler ein, daß das 54-Prozent-Ergebnis der letzten Landtagswahl für die SPD "nicht zu halten" sein werde.

In Partei- und Regierungskreisen wird neidvoll anerkannt, daß der Ex-General taktisch geschickt agiert: "Er besetzt mit neuen Köpfen die Bereiche Justiz und Wirtschaft, wo zwei Minister auf Abruf stehen." Wirtschaftsminister Burkhard Dreher wechselt bekanntlich im September in die Energiewirtschaft, der angeschlagene Justizminister Hans Otto Bräutigam scheidet dem Vernehmen nach ebenfalls aus.Zwar bestätigt das niemand, um Bräutigam und auch dem Ministerpräsidenten "einen Gesichtsverlust zu ersparen".Doch sei, wie es in Stolpes Umfeld heißt, "völlig klar, daß er nicht als Minister zurückkommen wird, vielleicht als Berater".Schönbohm hat für den Fall, daß es zur Großen Koalition kommt, bereits Anspruch auf das Wirtschaftsressort angemeldet.Nicht ausgeschlossen ist, daß er bei einem Wahlsieg auch Justiz und Bildung reklamieren wird.

"Hoffentlich wachen jetzt einige Minister auf", heißt es bei der alarmierten SPD."Das Erscheinungsbild der Regierung kommt Schönbohm zugute." Dieser sieht sich durch die jüngste Umfrage bestätigt, wenngleich er einräumt, daß der Bundestrend der märkischen Union im Moment zugute komme.Schönbohm ist bislang der einzige märkische Politiker, der voll in den Wahlkampf eingestiegen ist.Im Ergebnis stieg sein Bekanntheitsgrad im Land seit Februar um vier auf jetzt 42 Prozent.Mit beachtlichem Erfolg agiert Schönbohm auch beim Beschaffen von Geld für seinen Wahlkampf: Mittwoch abend hatte er fast 20 Unternehmer zu einem Abendessen mit Bundeschef Wolfgang Schäuble in seinem Haus in Kleinmachnow zu Gast.Als eine Art Mindesteinsatz mußte jeder 10 000 Mark in die Wahlkampfkasse der Partei zahlen.

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