Boxen : Clinton, Kohl und Friedrichs Schloß

MICHAEL MARA (ma thm)

Protokollarische Raffinessen beim Besuch des US-Präsidenten in Potsdam-SanssouciVON MICHAEL MARA (ma/thm) POTSDAM.Potsdamer und Gäste der Stadt werden kaum Gelegenheit haben, US-Präsident Bill Clinton am Mittwoch bei seinem Besuch in der Landeshauptstadt zu begrüßen: Der Park Sanssouci wird (mit Ausnahme des Parkteils Charlottenhof) weiträumig abgesperrt, das Schloß Sanssouci und die Historische Mühle bleiben am Mittwoch geschlossen.Allein 600 Brandenburger Polizisten werden im Einsatz sein, hinzu kommt eine geheimgehaltene Zahl deutscher und US-amerikanischer Spezialkräfte.Die Vorbereitungen für den Besuch laufen seit Tagen auf Hochtouren, noch am Montag sind Änderungen am Programm vorgenommen worden.So wird sich Präsident Clinton jetzt doch ins Goldene Buch Brandenburgs eintragen: Zu diesem Zweck soll ein "repräsentativer Tisch" an der Großen Fontäne unterhalb der Sanssouci-Terrassen aufgebaut werden.Ministerpräsident Manfred Stolpe wird den US-Präsidenten dort nach dem Mittagessen mit Kanzler Helmut Kohl im Marmorsaal des Schlosses Sanssouci empfangen.An der "Tafelrunde" im kleinsten Kreis - die Rede ist von acht Personen - darf Stolpe nicht teilnehmen.Ursprünglich war ein paralleles Essen für Kongreßabgeordnete und andere US-Politiker in den Neuen Kammern geplant, das Stolpe geben sollte.Doch ist es abgesagt worden: "Die Leute, die ursprünglich teilnehmen sollten, kommen nicht."Stolpe wird beim Clinton-Besuch so nur eine Nebenrolle spielen: Er soll dem am Vormittag aus Tempelhof einfliegenden US-Präsidenten bei seiner Ankunft am Neuen Palais, wo der offizielle Empfang mit militärischen Ehren stattfindet, kurz vorgestellt werden.Später wird Stolpe Clinton an der Großen Fontäne wiedersehen und - so hofft man in der Staatskanzlei - beim anschließenden Spaziergang durch den Garten vielleicht auch einige Sätze mit ihm wechseln können.Verschnupft ist man in Stolpes Umfeld trotzdem nicht: "Ursprünglich sollte Stolpe völlig draußen bleiben", heißt es.Bonn habe frühzeitig und unmißverständlich signalisiert: "Das ist eine Kohl-Veranstaltung." Immerhin darf Brandenburgs Regierungschef Clinton und Kohl, wenn diese kamerawirksam allein die Sanssouci-Terrassen herunterschreiten, "einige Treppenstufen" entgegenkommen."Ideale Wahlkampfbilder", kommentieren SPD-Politiker.Die Potsdamer können Bill Clinton allenfalls auf seinen Weg vom Hubschrauber zum Neuen Palais (er landet auf dem Uni-Sportplatz gegenüber) oder auf der Weiterfahrt entlang der Maulbeerallee zum Schloß Sanssouci sehen.Am Schloß wird Clinton von einer Bläsergruppe des Landespolizeiorchesters, die bereits beim Besuch von Prinz Charles auftrat, begrüßt.Der leitende Polizeidirektor Peter Schultheiß rechnet nicht mit Komplikationen beim Clinton-Besuch: "Die Potsdamer haben ständig mit hohen Staatsgästen zu tun." Er betonte, daß die Federführung für den Einsatz nicht bei den US-amerikanischen Sicherheitskräften liege (fünf Beamte des Secret Service waren beim gestrigen Sicherheits-Check im Park zugegen), sondern bei der Brandenburger Polizei.Dem Vernehmen nach findet das Essen im Marmorsaal von Schloß Sanssouci auf ausdrücklichen Wunsch des Kanzlers statt.Generaldirektor Hans-Joachim Giersberg, der normalerweise Protokolltermine und Nutzungswünsche für das zum Weltkulturerbe gehörende Lustschloß Friedrichs des Großen strikt ablehnt, sprach von einer "einmaligen Ausnahme".Nach dem Willen des Kanzleramtes sollten sich Clinton und Kohl ursprünglich nach dem Mittagessen zu einem Vier-Augen-Gespräch in das "Heiligtum" von Sanssouci, die Bibliothek Friedrich des Großen, zurückziehen.Dies habe Giersberg jedoch abgelehnt, was akzeptiert worden sein, hieß es aus der Stiftung.Weil die historische Küche im Schloß Sanssouci nicht zur Verfügung steht, wird das mehrgängige Menü - es orientiert sich an den kulinarischen Vorlieben des Preußenkönigs - im Schloßhotel Cecilienhof zubereitet, nach Sanssouci transportiert und dort kurz aufgewärmt."Weil es kein Wasser gibt, bringen wir sicherheitshalber Kanister mit", sagte Hotelmanagerin Petra Lubosch.Stiftungssprecher Gert Streidt dazu: "Wir sind nun mal ein Museum und kein Restaurant." Insgeheim wünscht man sich in Sanssouci, daß der "ganze Rummel" schon vorbei wäre.

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