Boxen : Das Welterbe ist außer Gefahr

THORSTEN METZNER

Ein neuer Architektenentwurf beendet den monatelangen Streit um das Potsdam-CenterVON THORSTEN METZNER POTSDAM. Der monatelange Streit mit der UNESCO um die Gestaltung des geplanten Stadtteils "Potsdam-Center" am Stadtbahnhof der brandenburgischen Landeshauptstadt ist beigelegt."Das Welterbe ist nicht in Gefahr - das neue Quartier bedeutet für Potsdam einen Gewinn an städtischer Qualität", sagte Bundesbauminister Klaus Töpfer (CDU) nach dem Abschluß des städtebaulichen Realisierungswettbewerbes am Mittwoch in Potsdam.Der Siegerentwurf der Berliner Architekten Wolfgang Engel und Klaus Zillich sei "eine Chance für Potsdam und die Region." Die Investoren forderten eine zügige Umsetzung des Milliardenprojektes, um den Zeitverzug der Umplanungen aufzuholen."Die Kritikpunkte der UNESCO sind ausgeräumt", sagte Peter Canisius, der Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission, der von einer "zukunftsweisenden Lösung" sprach.Wie berichtet, will die UNESCO im Dezember endgültig entscheiden, ob Potsdam wegen städtischer Bausünden auf die rote Liste gefährdeter Welterbestätten gesetzt wird - Hauptkritikpunkt war bislang das Potsdam-Center.Jurymitglied Heinz Schönemann von der Preußischen Schlösserstiftung wertete den Siegerentwurf als "Beweis, daß das baukulturelle Erbe Potsdams durch zeitgemäße Architektur umgesetzt werden kann".Landeskonservator Detlef Karg sprach von einer "Chance für eine wirkliche Baukultur" in Potsdam. Das Berliner Siegerbüro war von der Jury aus 276 eingereichten Arbeiten ausgewählt worden.Mit dem von Töpfer nach dem UNESCO-Veto angeregten und weitgehend aus Bundesmitteln finanzierten Wettbewerb sollten vor allem die Hauptschwächen der alten - ohne Wettbewerb - entstanden Planungen für das Potsdam-Center ausgeräumt werden: Die plumpe Einbindung in die Potsdamer Kultur- und Havellandschaft und die autarke Reißbrettlösung gegenüber der weltberühmten Potsdamer Altstadt und der Stadtmitte am Alten Markt: Töpfer hob hervor, daß beides mit dem Siegerentwurf gelungen sei.Durch das "Ensemble mit Charakter" könne der bislang brachliegende Havel-Nuthe-Bereich für den Stadtraum wiedergewonnen werde.Laut Jury wird nun die Silhouette des alten Potsdam vom Bahnhof sichtbar sein und neben dem neuen Stadtteil am Ufer von Havel und Nuthe ein weiträumiger Stadtpark entstehen, der sich nach den Worten des Juryvorsitzenden Professor Adrian harmonisch in die Kulturlandschaft einfüge.Oberbürgermeister Horst Gramlich räumte ein, daß "eine andere städtebauliche Qualität" erreicht sei, als die jahrelang von der Stadtverwaltung - gegen massive Proteste von Denkmal- und Landschaftsschützern, von Bürgerinitiativen und UNESCO - favorisierten Pläne . Dagegen übte die städtische Bürgerinitiative gegen das Potsdam Center weiterhin Kritik: Zwar sei die Öffnung zur Landschaft zu begrüßen, erklärte Sprecherin Hüneke.Dennoch sei bedauerlich, daß mehrere massive Gebäude entlang der Bahnstrecke, darunter der Bahnhofskomplex, aus dem Wettbewerb ausgeklammert worden seien. Die Investoren - die Roland-Ernst-Gruppe, die Deutsche Bahn AG und die Brandenburger Landesentwicklungsgesellschaft - versicherten, daß der Siegerentwurf weitgehend auch gebaut werden soll.Die Auseinandersetzungen um das Potsdam-Center hätten "viel Zeit und Geld" gekostet, sagte Investor Roland Ernst."Wir müssen nun so schnell wie möglich durchstarten".Allerdings muß die ohnehin auf des Messer Schneide stehende Finanzierung in den nächsten Wochen neu durchgerechnet werden, da Mehrkosten von rund 20 Millionen Mark erwartet werden.So schlägt das Berliner Büro einen neuen Stadtkanal durch das Quartier vor.Gramlich forderte Bund und Land auf, die Stadt bei der Realisierung "nicht finanziell im Stich zu lassen".

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