Boxen : Den Mut zum Leben verloren

Noël Martin kündigt Selbstmord an

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Mahlow - Vor zehn Jahren ist der farbige Bauarbeiter Noël Martin im brandenburgischen Mahlow von rassistischen Schlägern schwer verletzt worden. Seitdem ist der Brite vom Hals abwärts gelähmt, kann sich fast nicht mehr bewegen und braucht für jeden alltäglichen Schritt eine fremde helfende Hand. Allein Aufstehen, Waschen und Anziehen dauert bei dem 47-Jährigen täglich mehrere Stunden. Fremde Menschen betreuen den Kranken 24 Stunden am Tag in seinem Haus in Birmingham, seit im Jahr 2000 seine Lebensgefährtin an Krebs gestorben ist.

In den Jahren nach dem brutalen Übergriff durch zwei Neonazis hat der farbige Brite, der sich mit dem „Noël- und Jacqueline-Martin-Fonds“ gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit engagiert, immer mehr Lebensmut verloren. Gestern kündigte er seinen Freitod an. Er wolle „in Würde sterben“ und nicht „elendig verrecken“, sagte seine Beauftragte in Berlin und Brandenburg, Robin Herrnfeld. Im Sommer 2007 wolle Martin freiwillig aus dem Leben scheiden – mit Hilfe einer Sterbehilfeorganisation.

In Mahlow mit seinen etwa 10 000 Einwohnern werden manche nicht gern an die Ereignisse von 1996 erinnert. Andere kämpfen gegen das Vergessen, so soll es etwa am Sonntag ein mahnendes Fest der Kulturen geben. Martin selbst kann zur Veranstaltung nicht kommen, Reisen fällt ihm zu schwer. Er will aber ein Grußwort schicken und dazu auffordern, nicht nachzulassen im Kampf gegen jene, denen alles Fremde als Bedrohung erscheint. Die beiden Täter, die den einst lebensfrohen Mann am 16. Juni 1996 lebensgefährlich verletzten, befinden sich nach der Verbüßung ihrer Haftstrafen wieder auf freiem Fuß. Aus Hass auf Fremde warfen sie damals einen kiloschweren Feldstein auf das Auto Martins, in dem noch zwei Kollegen saßen. Noël Martin wurde bei dem daraus resultierenden Unfall am schwersten verletzt. ddp

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