Boxen : Der abgesoffene Traum

Das Hafendorf Marina Wolfsbruch bei Rheinsberg hat Insolvenz angemeldet. Der Betrieb soll aber weitergehen

Claus-Dieter Steyer

Rheinsberg. Von außen sieht man nichts, aber hinter der Fassade rumpelt es: Die Häuser in Brandenburgs größtem Hafen-Feriendorf Marina Wolfsbruch weisen schwere Baumängel auf. Und zwar in einem Umfang, dass die Reparatur offenbar nicht mehr bezahlbar ist. Deshalb hat die Geschäftsführung der erst 1999 eröffneten Marina jetzt beim Amtsgericht Neuruppin Insolvenz angemeldet. Die Gäste sollen von dem Schritt nichts merken, versicherte Toni Merlin aus der Geschäftsführung: „Die Vermietung geht weiter, die Restaurants sind geöffnet."

Als Grund für die Insolvenz wird „drohende Zahlungsunfähigkeit“ angegeben. Die Schäden an der Anlage sollen millionenschwer sein. Dächer mehrerer Ferienhäuser sind undicht, Regenrinnen funktionieren nicht, in den Lampenschirmen sammelt sich Wasser und im Schwimmbad vertragen die Farben an den Wänden die Feuchtigkeit nicht. Es fehlen aber auch Steuerelemente in den Schaltzentralen für die Energieversorgung, wodurch hohe Kosten entstehen. Das alles muss repariert werden, aber dafür hat die Marina-Gesellschaft kein Geld.

Merlin macht für die Lage die Pleite des Baukonzerns Philipp Holzmann AG verantwortlich: „Eigentlich müsste er den Pfusch am Bau bezahlen.“ Der Konzern habe mit einer Bankbürgschaft in Höhe von damals 5,8 Millionen Mark sowohl den Bau als auch nötige Nachbesserungen abgesichert. Diesen Betrag will sich die Ferienanlage nun aus der Konkursmasse von Holzmann holen. „Wir hoffen, dass ein vom Gericht bestellter Insolvenzverwalter da ganz andere Möglichkeiten hat“, sagte Merlin. Zuerst müssten die bis vor einem Jahr noch von Holzmann bezahlten Gutachter ihre Prüfungen fortsetzen. Von Seiten des Holzmann-Insolvenzverwalters war zu dem Fall keine Erklärung zu erhalten.

Die Insolvenz ist nicht der erste Rückschlag für die einst euphorisch gestartete Marina Wolfsbruch, die Bundeskanzler Gerhard Schröder auf seiner Sommertour 2001 durch den Osten noch als „beispielhaft für den Aufschwung Ost“ gerühmt hatte. Doch es kam anders, wie so oft in Brandenburg: Ein Jahr später zog sich die Steigenberger Gruppe aus der Vermarktung zurück. Die gebotene Qualität in der Marina entspreche nicht mehr den Ansprüchen, hieß es zur Begründung. Bis dahin hatte die Gruppe noch unter dem Motto „Freiheit genießen – Freizeit erleben“ für die „Vier-Sterne-Hotelanlage“ geworben. Die Regie übernahm der Eigentümer Walter Kussmann. Hoteldirektor blieb vorerst Carlos Beck. Doch er schaffte es nicht, die Zahl der Gäste entscheidend zu erhöhen. Im Sommer 2002 musste er seinen Hut nehmen.

„Uns geht es im Vergleich zu anderen Unternehmen noch gut“, findet indes Toni Merlin aus der Geschäftsleitung – und verweist auf eine Zimmerauslastung von 55 Prozent im Jahresdurchschnitt. Die Umsätze gingen im Vorjahr gegenüber 2001 um fünf Prozent zurück. Noch hat das Feriendorf 80 Beschäftigte, einigen wurde bereits gekündigt.

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