Boxen : Der Dammbau zu Ratzdorf

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Ratzdorf. Die von Touristen geschätzte, aber von Anwohnern gefürchtete Merkwürdigkeit am Zusammenfluss von Oder und Neiße in Ratzdorf verschwindet. Nach jahrelangem Streit soll hier endlich ein Deich zum Schutz des zwischen Eisenhüttenstadt und Guben gelegenen Ortes gebaut werden. „Wir sind optimistisch, dass wir spätestens im nächsten Frühjahr beginnen können“, sagte der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude. „Vielleicht können die Bagger auch schon in diesem Herbst anrollen.“ Das entsprechende Planverfahren laufe gut.

Auf rund 1000 Meter Länge fehlt bisher jeglicher Hochwasserschutz. Dabei hatte Ratzdorf vor fünf Jahren als erster Ort in Deutschland mit den Launen der Oder fertig werden müssen. Freiwillige Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, viele Einwohner und später starke Einheiten der Bundeswehr verhinderten mit Tausenden Sandsäcken größere Schäden. Das gänzlich von der Oder eingeschlossene Ratzdorfer Pegelhäuschen, das heute völlig im Trockenen steht, wurde zum Symbol des Hochwassers in vielen Medien. 6,89 Meter zeigte die Schrifttafel damals an, gestern lag der Pegel bei knapp 2 Metern. Als sich nach zwei Woche die Lage in dem Ort beruhigte, stand fest: Die Lücke im Deich muss geschlossen werden. Doch fünf Jahre später spazieren die Touristen weiterhin direkt von der Dorfstraße an den Fluss.

Die Gründe für die Verzögerung lagen einzig und allein im Streit ums Geld. Denn die vier Eigentümer der Wiesen, auf denen der Deich gebaut werden sollte, konnten sich nicht mit dem Landesumweltamt über die Höhe der Entschädigungen einigen. Die Vorstellungen beider Parteien müssen weit auseinander gelegen haben. Von einer Spanne zwischen 50 bis 60 Pfennigen bis zu 20 D-Mark pro Quadratmeter war die Rede. Bei vielen Ratzdorfer Einwohnern stieß der Widerstand der Wieseneigentümer auf großes Unverständnis, weil sie um ihre Sicherheit fürchteten. Um nicht als „habgierige Deichverweigerer“ an den Pranger gestellt zu werden, wandten sich die Eigentümer an einen Berliner Rechtsanwalt. Über die Höhe der jetzt ausgemachten Quadratmeterpreise vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. Claus-Dieter Steyer

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