Boxen : Der Fall Schmökel: Die Polizei - am Ende und doch vorneweg

Claus-Dieter Steyer

Der Ruf der Brandenburger Polizei hat in den vergangenen Tagen erheblich gelitten - zu Unrecht. Zwar gilt für die Öffentlichkeit nur der Erfolg in der Suche nach dem Schwerverbrecher Schmökel. Doch die Beamten von Polizei, Bundesgrenzschutz, Zoll und Landeskriminalamt gehen schon seit fast zwei Wochen an ihre Leistungsgrenze. Zwölf Stunden, 24 Stunden, manchmal mehr als 48 Stunden stehen auf den Dienstabrechnungen. Die Polizisten kommen nicht mehr nur aus Brandenburg, sondern auch aus Berlin, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und anderen Bundesländern. Notdürftig werden sie so gut wie möglich untergebracht. Sachsen befindet sich seit der Entdeckung von Schmökels Fluchtauto in Alarmbereitschaft.

Trotz allem - noch stimmt die Moral. Frust oder Ärger wird nur hinter vorgehaltener Hand laut und richtet sich nicht gegen die zusätzlichen Schichten oder Wochenenddienste. Aber die Umstände der Flucht Schmökels lassen die Polizisten im Führungsstab und draußen im Feld immer wieder zweifeln. Hätte die Polizei vom Sozialministerium nur einen kleinen Hinweis auf den bevorstehenden Freigang Schmökels in Strausberg erhalten, wäre die jetzige Aktion wohl unnötig gewesen. Ein Mensch könnte noch leben, ein zweiter hätte nicht tagelang mit dem Tod ringen müssen. Das wird als eigentlicher Skandal vor allem in Polizeikreisen hingestellt. Noch nicht einmal in den Minuten nach der Flucht wussten die Besatzungen in den Funkstreifenwagen, welchen gefährlichen Täter sie da überhaupt suchen sollten.

Die Polizei muss als letztes Glied in der Kette die Kastanien aus dem Feuer holen. Dabei begeben sich die Frauen und Männer in Uniform bei der Suche nach dem Verbrecher selbst in höchste Lebensgefahr. Sie durchkämmen bei Nacht und Nebel verlassene Bunker, Lagerhallen, Bungalows oder Waldgebiete. Jeden Augenblick könnte Schmökel mit einem Messer oder einem Spaten aus der Finsternis zuschlagen.

Die bisherige Erfolglosigkeit muss allerdings auch bei der Polizei selbst zu Konsequenzen führen. Vielleicht war die Taktik eben doch nicht die richtige. Möglicherweise reichte die Zahl der Beamten oder die eingesetzte Technik nicht aus.

Rücktritte von Beamten im Gesundheitsministerium oder der Neuruppiner Klinikleitung machen den in Strausberg ermordeten Mann nicht wieder lebendig. Doch alle an der fatalen Fehleinschätzung von Schmökel beteiligten Personen sollten nie wieder schwerwiegende Entscheidungen treffen können, schon im Interesse der Polizisten.

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