Boxen : Der Fall Ulrike: 12-jährige tot im Wald gefunden

Claus-Dieter Steyer

Die 12-jährige Ulrike Brandt aus Eberswalde ist tot. Das bestätigte der Leitende Oberstaatsanwalt Carlo Weber am späten Donnerstagabend. Größe und Kleidung der am selben Tag bei Werneuchen gefundenen Leiche sprächen dafür. Die Mädchenleiche muss aber noch obduziert werden.

Die Leiche war genau zwei Wochen nach dem Verschwinden des Kindes in der Nähe des Flugplatzes Werneuchen (Kreis Barnim) - rund 30 Kilometer von Ulrikes Wohnort Eberswalde - nach einem Bürgerhinweis entdeckt worden. Sie lag tief in einem einsamen Waldstück. Die Fundstelle war am Abend weiträumig abgesperrt und grell erleuchtet, während Ermittler noch die Spuren sicherten. Die Leiche des Mädchens war zu diesem Zeitpunkt bereits fortgebracht worden.

Am späten gestrigen Abend hatte der Leitende Oberstaatsanwalt aus Frankfurt (Oder), Carlo Weber, eine Pressekonferenz abgehalten. Nach einem Bürgerhinweis hatte bereits am vergangenen Wochenende ein Großaufgebot ergebnislos das Flugplatzgelände durchkämmt. Am jetzigen Fundort sei dabei allerdings nicht gesucht worden, sagte Innenminister Jörg Schönbohm: "Wir werden nicht locker lassen, bis wir die Täter haben." Schönbohm hatte bereits im Tagesverlauf davon gesprochen, dass entgegen bisherigen Erkenntnissen mehrere Personen an der Tat beteiligt gewesen sein könnten. Die Umstände, unter denen Ulrike am 22. Februar auf dem Weg zum Sporttraining verschwand, sind weiter unklar.

"Wir gehen davon aus, dass es mehr als ein Täter ist", hatte Schönbohm am Vormittag in Potsdam vor Journalisten gesagt. Bisher war die Variante favorisiert worden, dass es sich um nur einen Mann handele, der das Mädchen nach einem Unfall am 22. Februar in Panik mitgenommen haben könnte. An der Theorie des Unfalls werde festgehalten, bekräftigte der Innenminister Schönbohm.

Aus den Umständen, insbesondere daraus, wie das Fahrrad Ulrikes gefunden wurde, lasse sich schließen, dass es mehrere Beteiligte gab. Die Polizei hoffe jetzt, auch mit Blick auf die ausgelobten Belohnungen von zusammen 56 000 Mark, auf Hinweise direkt aus dem Täterkreis.

Die Suche war am Morgen in der Region südlich von Eberswalde bei niedrigen Temperaturen und Wind mit weniger Beamten als an den Vortagen fortgesetzt worden. Etwa 250 Polizisten aus Brandenburg und Sachsen-Anhalt untersuchten auffällige Bodenstellen, die bei Luftaufnahmen von Bundeswehr-Tornados markiert worden waren. Auch Spürhunde, ein Hubschrauber und Spezialisten der Spurensicherung halfen bei der Suche.

Zu Spekulationen auf eine Entführung Ulrikes sagte ein Eberswalder Polizeisprecher, es habe in den vergangenen 14 Tagen keinen Versuch der Kontaktaufnahme eines eventuellen Entführers mit den Eltern oder der Polizei gegeben.

Am Mountainbike des Kindes waren Lackspuren eines weißen VW Polo gefunden worden. Der in Strausberg gestohlene Wagen wurde ausgebrannt bei Bernau entdeckt. Im Brandschutt erkannten die Eltern Gegenstände aus dem Besitz ihrer Tochter. Die Analyse der im Autowrack gefundenen Haarspange von Ulrike brachte keinen Hinweis auf den Täter. Es seien zwar Hautpartikel einer zweiten Person an diesem Gegenstand entdeckt worden, sagte Staatsanwältin Petra Marx aus Frankfurt (Oder), doch eine DNA-Laboranalyse beim Bundeskriminalamt der Partikel habe nicht zu einer bestimmten Person geführt.

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