Boxen : Der Kinder-Retter

Ein Teltower Unternehmer baut Babyphone und EKG-Systeme. Und ist nun ein „Mutmacher der Nation“

Hagen Ludwig

Als sein Sohn auf die Welt kam, änderte sich Herwig von Nettelhorsts Leben. Ein Professor erzählte dem Vater vom plötzlichen Kindstod. Das Thema ließ dem Ingenieur aus Teltow keine Ruhe. 1986 brachte er den ersten Monitor zur Überwachung Neugeborener auf den Markt. Eine Erfolgsgeschichte, sollte man meinen. Doch die Schwierigkeiten, auf die der Jungunternehmer stieß, hätten ihn fast die Existenz gekostet.

Heute jedoch ist sein Teltower Unternehmen Getemed AG in Deutschland Marktführer bei Langzeit-EKG-Systemen und Home-Monitoring von Neugeborenen. Bei der Überwachung von Risikoneugeborenen im ambulanten Bereich ist es sogar europäischer Marktführer. Seit 2006 sind die Getemed-EKG-Systeme auch in den USA gesetzlich zugelassen. Mit 50 Mitarbeitern erwirtschaftet der 62-jährige von Nettelhorst einen Jahresumsatz von 10 Millionen Euro.

Nun ist er von der Mittelstandsinitiative „Mutmacher der Nation“, die vom Branchenbuchverlag „Das Örtliche“, dem Verband Deutscher Bürgschaftsbanken und dem Wirtschaftsmagazin „Impulse“ getragen wird, zum märkischen Sieger gekürt worden und vertritt das Land gegen 15 Konkurrenten aus den anderen Bundesländern bei der Wahl zum „Mutmacher der Nation“. Der Sieger wird am 28. November in Berlin bekannt gegeben.

Eine späte Genugtuung für von Nettelhorst, denn beinahe wäre es schon Anfang der 90er Jahre für seine Firma vorbei gewesen. „Alle erklärten mich für verrückt, aber ich glaubte an meine Idee“, sagt von Nettelhorst heute.

Allerdings räumt er auch Fehler ein: „Ich suchte mir einen Partner für das Kaufmännische.“ Doch die Zusammenarbeit klappte nicht. Als die beiden sich 1991 trennten, musste von Nettelhorst dem Kompagnon die Firma abtreten, damit er die Rechte an seiner Entwicklungen behalten konnte. Er fing wieder bei null an. „Das waren die schlimmsten Stunden meines Lebens“, erinnert er sich. Sogar sein Haus verpfändete er für den Neuanfang: „Wir starteten 1991 mit vier Leuten in einer fast aussichtslosen Lage.“

Doch es ging gut. Seine Überzeugung, dass er mit seinem Wissen und Können anderen Menschen das Leben retten kann, ist bis heute von Nettelhorsts Antrieb. Deshalb denkt er auch lange noch nicht ans Aufhören: „Es gilt noch viele neue Therapiemaßnahmen zu entwickeln. Darauf freue ich mich.“

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