Boxen : Der Liebhaber der Stromlinie

Formen und Visionen: Der Designer Luigi Colani zeigt im Potsdamer Stern-Center seine neuen Arbeiten

Nicola Klusemann

Potsdam. Der große Meister kommt ganz in Weiß: seidener Künstlerschal, Zopfpulli mit V-Ausschnitt, Schlabberhose, Stricksocken, Clogs. Bequem. In der Welt des Luigi Colani heißt das „humanisierte Kleidung“.

Bis zum 19. Juli sind im Potsdamer Stern-Center Colanis „Formen und Visionen 3000“ ausgestellt. Der 74-jährige Designer wird bis kommenden Sonnabend täglich von 9 bis 20 Uhr im Kreuz des Einkaufscenters sitzen, Autogramme geben, Gäste empfangen – und sich grämen. „Ich mag diese Center nicht. Zu viele Kanten“ – der Liebhaber der Stromlinie schüttelt sich.

Schon als kleiner Junge entwarf Lutz in der Werkstatt seines Vaters – der als Ufa-Filmarchitekt in Babelsberg gearbeitet hat – ein eigenes Reich. „Ich kann mit meinen Händen das ausdrücken, was in meiner Birne keimt.“ Und das muss blitzartig gehen, „Gedanken sind schnell“. Mit der kleinen Auswahl seiner Designer-Stücke „Formen und Visionen 3000“ tingelt Luigi Colani bundesweit durch die Center der ECE-Gruppe. Vor wenigen Tagen noch war er in Dresden, nach Potsdam steht Erfurt auf dem Reiseplan. In den neuen Ländern vermutet er „mehr Hunger und intellektuelle Dichte“ als in Westdeutschland. Deshalb möchte er den „großen Knaller“, seine Riesensammlung an Designer-Stücken mit über 3000 Exponaten, dauerhaft im Osten der Republik zur Schau stellen.

Auch in Brandenburg hat er Großes vor. Colani entwickelte einen gelben Flitzer, der auf einer Testfahrt im Kreis den Verbrauchsrekord von 1,7 Litern auf 100 Kilometern aufstellte. In Brandenburg will er diesen Rekord mindestens halten, wenn nicht unterbieten und den Zweisitzer in Serie bauen lassen. Bislang solle das gute Stück rund 8000 Euro kosten. Der Preis ließe sich noch drücken, indem die künftigen Besitzer ihr Automobil selbst zusammenbauen. Das spreche vor allem die Trabi-Fahrer an, unterstellt der Weltenbummler. Die seien das Schrauben ja gewöhnt.

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