Boxen : Der Tagesspiegel

NAME

UNTERM ADLER

Politik ist nicht nur, was im Parteiprogramm oder am Kabinettstisch geschieht, sondern auch, was auf den Fluren des Landtags getuschelt wird. Jeden Sonntag bringt der Tagesspiegel deshalb einen Blick hinter die Kulissen in Brandenburg.

Ihr Mann war schon auf der Bühne, um die 3500 Gäste des Sommerfestes der Landesregierung auf dem Krongut Bornstedt zu begrüßen: Brandenburgs First Lady Ingrid Stolpe probierte derweil an der entgegengesetzten Stelle bei einem Glas Wein Schweizer Käsehäppchen und schmiedete Urlaubspläne: „Wo kann man im Oktober hinfahren?“ Sie hat sich notgedrungen damit abgefunden, dass wegen des Wahlkampfes aus dem Sommerurlaub nichts wird. Darüber freuen sich die Kolleginnen aus ihrer Potsdamer Gemeinschaftspraxis, die in die Ferien fahren können. Im Übrigen kann sich Ingrid Stolpe nicht vorstellen, dass ihr Mann, inzwischen dienstältester Ministerpräsident Deutschlands, in absehbarer Zeit kürzer treten wird: „Der arbeitet, bis er umfällt“, kommentierte sie trocken.

Selbst auf dem Sommerfest absolvierte der Regierungschef „Pflichttermine“: So zog er sich mit Sponsoren und Lotto-Filialisten aus dem ganzen Land zurück, um sich bei ihnen zu bedanken. Immerhin gehört die landeseigene Lotto GmbH zu den wichtigsten Sponsoren. Ob Stolpe auch Fäden knüpfte, um den jüngsten Versorgungsfall des Landes zu lösen, ist unbekannt. Zumindest war das von ihm ohne Rücksicht auf mögliche Versorgungskosten garantierte Rückkehrrecht für den 1998 auf einen Minister-Stuhl nach Sachsen-Anhalt gewechselten einstigen Bildungs-Staatssekretär Gerd Harms ein Gesprächsthema. „Ein Minister geht doch nicht ins zweite Glied zurück“, befand etwa der frühere Bau-Staatssekretär Horst Gräf, der selbst als Minister nach Sachsen-Anhalt gehen sollte - und abgelehnt hatte. Die einstige „graue Eminenz“ im Bauministerium arbeitet inzwischen als Anwalt.

Übrigens: Eine überraschende Erklärung, warum CDU-Landeschef Jörg Schönbohm den „Fall Harms“ und die „Versorgungsmentalität“ der SPD nicht „hochspielen“ will, hatte Polizei-Gewerkschaftschef Frank Schuster parat: „Schönbohm macht es ja nicht anders.“ Für alle im Zuge der Polizeireform ausscheidenden Präsidenten würden „neue Jobs gefunden oder erfunden“, obwohl sie einst als politische Beamte auf Zeit berufen worden seien. ma/thm

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben