• „Der Wahlkampf der CDU ging ins Leere“ Der Meinungsforscher Manfred Güllner über die Strategien der Parteien,

Boxen : „Der Wahlkampf der CDU ging ins Leere“ Der Meinungsforscher Manfred Güllner über die Strategien der Parteien,

die unentschiedenen Wähler und die Unsicherheit bei den Umfragen

-

Am Sonntag wird in Brandenburg der Landtag gewählt. Ein wahrscheinlicher Sieger ist nicht auszumachen – die zahlreichen Umfragen der letzten Wochen gaben ein uneinheitliches Bild. Über die Gründe dafür sprach Michael Mara mit Manfred Güllner von Forsa.

Nur noch drei Tage bis zur Landtagswahl: Wie sicher sind sich die Brandenburger in ihren Wahlabsichten?

Sie sind unsicher. Jeder zweite ist unschlüssig, ob er zur Wahl gehen und welcher Partei er seine Stimme geben soll. Die Stimmungen schwanken sehr.

In den letzten Tagen löste eine Umfrage die nächste ab – wird die Unsicherheit dadurch nicht noch größer?

Nach allem, was wir wissen, hat die Veröffentlichung von Umfragen keinen Einfluss auf die Meinungsbildungsprozesse. Nur eine kleine Gruppe von taktischen Wählern zieht zur Orientierung Umfrage- Ziffern mit heran. Bestimmte Wähler kleiner Parteien, die um die Fünf-Prozent- Hürde dümpeln, wollen wissen, ob ihre Stimme verloren ginge oder nicht.

Ministerpräsident Matthias Platzeck geht seit Wochen täglich auf die Marktplätze. Wird es einen Platzeck-Effekt geben?

Was Platzeck macht, ist die einzige Chance für die SPD: Dass Platzeck ungeheuer beliebt ist in Brandenburg, ist für die SPD ein Vertrauenspfund. Sie kann nur auf die Karte Platzeck setzen, um enttäuschte SPD-Anhänger doch noch zu bewegen, zur Wahl zu gehen.

Warum ist die CDU vom ersten auf den dritten Platz abgestürzt?

Die CDU in Brandenburg hat einen Spitzenkandidaten, der weder sonderlich sympathisch ist für die Brandenburger noch als einer der ihren akzeptiert wird. Insofern war der Positionierungsversuch der märkischen CDU als „Brandenburgpartei“ eher kontraproduktiv – und ist gescheitert. Denn die PDS hat sich geschickt das Etikett der Brandenburger Kümmer-Partei aufgeklebt. Damit ging der Wahlkampf der CDU ins Leere. Die Aufmerksamkeit richtete sich um so stärker auf Schönbohm.

Ist ein Wahlsieg der Union noch möglich?

Unmöglich ist nichts. Wir wissen, dass der Wähler wankelmütig ist. Aber es ist sehr unwahrscheinlich, dass die CDU noch stärkste politische Kraft wird.

Die PDS setzt im Wahlkampf auf Populismus, sie hat keine Konzepte. Warum kommt sie trotzdem beim Wähler an?

Die PDS greift eine Stimmung auf, die sich in Ostdeutschland ausbreitet: Man fühlt sich nach wie vor als Bürger zweiter Klasse, als Verlierer der Einheit. Schlechter behandelt als die Westdeutschen. Hartz IV bündelt diesen Unmut. Man sagt, die Wessis haben uns wieder einmal über den Tisch gezogen, wir sind die Leidtragenden. Das nutzt die PDS aus.

Können sich bis Sonntag die Wahlabsichten noch grundlegend verändern?

Ja, weil sich viele erst in den letzten Stunden entscheiden. Wenn wir die normale Fehlerquote von drei Prozentpunkten berücksichtigen und die Unsicherheiten in der Gesamtstimmung, sind Verschiebungen gegenüber den Umfragen von fünf, sechs Prozentpunkten möglich.

Warum entscheiden sich so viele Wähler erst in letzter Minute?

Anders als im Westen sind die Parteienbindungen im Osten sehr gering. Die einzige Partei, die auf solche Bindungen setzen kann, ist die PDS.

Was können die Parteien tun?

Sie sollten auf die PDS schauen. Sie hat deshalb Erfolg, weil sie im Osten als die Partei gilt, die sich um die Menschen kümmert. Die Parteien müssen stärker auf die Menschen zugehen, ihnen das Gefühl geben, dass man ihre Sorgen und Ängste ernst nimmt. Wenn wir eine hohe Zahl von Nichtwählern haben, ist das immer ein Fingerzeig für schwindendes Vertrauen ins politische System. Das ist gefährlich.

Wird die PDS zur neuen Volkspartei im Osten?

Die Systemverdrossenheit nimmt hier zu. Es ist aber noch zu früh, um von einer Renaissance der PDS zu sprechen. Es kann auch nur ein Zwischenhoch sein.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben