Boxen : Deutlich mehr Gewalttaten registriert

Insgesamt aber Rückgang der Kriminalität

Thorsten Metzner

Potsdam - In Brandenburg ist im Jahr 2005 die Zahl der Straftaten zurückgegangen, allerdings stieg die Gewaltkriminalität deutlich an. Dies geht aus der Kriminalstatistik hervor, die Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) am Donnerstag vorstellte. Demnach wurden 3797 Fälle gefährlicher und schwerer Körperverletzungen registriert, was einer Zunahme von knapp zehn Prozent entspricht. Nahezu jeder zweite Gewalttäter war 21 Jahre oder jünger. Schönbohm führt diesen Anstieg auf eine „Verrohung der Gesellschaft“ in Brandenburg zurück.

Insgesamt wurden 227 714 Straftaten registriert. Das sind 11794 weniger als 2004. Zum Vergleich: Im Jahr 1994, dem Beginn der bundeseinheitlichen Erfassung, waren es 100 000 Straftaten mehr. Frühere Befürchtungen, wonach die EU-Osterweiterung, der Wegfall der Grenzkontrollen nach Polen, zu einem Anstieg an Verbrechen in Brandenburg führen werde, haben sich nicht bestätigt.

Schönbohm wertete den rückläufigen Gesamttrend als Beleg für den Erfolg der Polizeistrukturreform, bei der die Zahl der Polizeipräsidien von sechs auf vier und die Zahl der Schutzbereiche von 21 auf 15 gesenkt worden waren. „Es zeigt das, dass man mit besseren Strukturen bessere Leistungen erzielt“, so Schönbohm. „Brandenburg hat sich fest in der Spitzengruppe der erfolgreichsten Länderpolizeien in Deutschland etabliert.“

Im Vergleich zu anderen Ländern liegt Brandenburg mit der Kriminalitätsbelastung allerdings weiterhin im hinteren Mittelfeld. „Gegenüber Stadtstaaten wie Berlin sind wir gut, gegenüber anderen Flächenländern noch schlecht“, so Schönbohm. Je 100 000 Einwohner wurden 2005 rund 8800 Straftaten registriert. Auffällig ist, dass in ostdeutschen Ländern Sachsen (7700) und Thüringen (6900) das Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, deutlich geringer als in Brandenburg ist. Schönbohm verwies auch darauf, dass in allen Ländern, die bei der Pisa-Studie gut abgeschnitten haben, die Kriminalitätsbelastung geringer sei.

Nach der Statistik gingen die Diebstähle um acht Prozent auf 99 847 Fälle zurück. Die Aufklärungsquote liegt hier bei 38,9 Prozent. Im Jahr 2005 wurden in Brandenburg 991 Autos gestohlen – 25 Prozent weniger als 2004. Auch bei Fahrraddiebstählen fiel die Zahl mit 2937 um zwölf Prozent geringer aus als im Jahr zuvor. Allerdings hat neben den Gewaltdelikten auch die Wirtschaftskriminalität zugenommen. Die Drogenkriminalität hat mit einem Anteil von 3,1 Prozent inzwischen fast das „Westniveau“ erreicht.

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