Boxen : Dicke Überraschung

Berliner Flohmärkte, Bäcker und Blumenhändler dürfen heute nicht öffnen – anders in Brandenburg

Christian van Lessen

Wenn heute Blumen verschenkt werden, dürften etliche schon leicht angewelkt sein. Die Beschenkten sollten dafür Verständnis haben. Denn heute in Berlin frische Blumen zu kaufen, ist nicht so leicht. Es sei denn, ein großer Bahnhof mit Blumengeschäften ist in der Nähe. Denn die sind geöffnet. Die meisten anderen Läden aber sind zu. Verblüffende Folge des neuen Ladenschlussgesetzes, das Berlin doch den Ruf einer weithin verkaufsoffenen Metropole bescheren sollte. An Doppelfeiertagen wie Ostern, Pfingsten und Weihnachten ist jeweils der erste nicht zum Verkauf bestimmt.

In Brandenburg geht es viel freizügiger zu – da können heute nach Lust und Laune Blumen und auch Brötchen gekauft werden. In Berlin werden vielerorts gern Tankstellen einspringen. Gereizt wirkt die Stimme einer Moabiter Bäckersfrau am Telefon. Sie hat schon viele Anrufe beantwortet, deshalb ist sie kurz angebunden. „Nein, wir haben diesmal zu, schöne Ostern.“ Aufgelegt. Die Stimmung ist bei Berliner Bäckern und Blumenhändlern nicht festtäglich milde. Bei Flohmarkthändlern ist die Verwirrung komplett. Sie dürfen Ostern nicht, möglicherweise aber am Pfingstsonntag trödeln. Der Markt an der Museumsinsel hat aber heute geöffnet – eine Ausnahmegenehmigung macht’s möglich.

Was in Brandenburg möglich ist und bislang Berliner Gewohnheit war – an Ostersonntagen in der Nachbarschaft Trödel, Blumen und Brötchen zu kaufen –, ist nun passé. Gerade an einem Tag, der fürBlumenhändler viel Umsatz brachte.

Keine Regel ohne Extrawurst: Für Bäckereien gibt es Ausnahmen, wenn sie eine Gaststättenkonzession haben. Am Montag sieht es für Bäcker, Blumen- und Flohmarkthändler besser aus, da können sie, wenn sie wollen, bis 16 Uhr verkaufen. Eine Blumenhändlerin an der Potsdamer Straße in Tiergarten glaubt allerdings nicht, dass montags noch viele Osterblumen gekauft werden. „Der Senat hat bestimmt, dass Ostersonntag die Geschäfte nicht öffnen dürfen, deshalb sind wir am Ostermontag von 10 bis 12 Uhr für Sie da“, steht auf einem Zettel ihres Schaufensters. Im letzten Jahr hatte sie sich noch auf das Ostersonntagsgeschäft gefreut, und für den Montag hatte sie eine Sondergenehmigung. Nun hat sie viel freie Zeit. „Was soll man auch machen?“, fragt die Blumenfrau. Strafgelder bis zu 2000 Euro will sie nicht riskieren.

In den Bahnhöfen mit Läden sieht die Sache anders aus. „Wir haben immer auf“,sagen beispielsweise die Backwaren- und Blumenhändler im Bahnhof Zoo, und die Straßenverkäufer in der Umgebung des Bahnhofs versprechen ihren Kunden: „Wir haben immer offen, 24 Stunden am Tag.“ Feiertagsshopping ist also auch heute und morgen möglich, natürlich auch im Hauptbahnhof, bis 22 Uhr. Manche Geschäfte öffnen bereits um 6 Uhr.

Der Bahnhof ist mit dem „größten Osterei der Welt“ dekoriert. Wer heute Blumen kaufen will, muss hierher kommen. Oder nach Brandenburg fahren.

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