Boxen : Die Autofahrer werden angezapft

Seit Neujahr müssen in Deutschland drei Cent Ökosteuer mehr pro Liter bezahlt werden. Polen freut sich auf deutsche Tanktouristen

Claus-Dieter Steyer

Potsdam / Hohenwutzen. Die höheren Kraftstoffpreise haben den Tankwarten im Land gestern zu einem ruhigen Neujahrstag verholfen. Rund um Wittstock und Rheinsberg sagten sie fast einmütig auf Nachfrage zum Geschehen an den Zapfsäulen: „Tote Hose.“ In anderen Regionen sah es nicht anders aus. Die meisten Autofahrer hatten ihren Tank in den Tagen vor der Preiserhöhung noch einmal in Brandenburg gefüllt. Punkt Mitternacht waren die Anzeigetafeln um 3 bis 5 Cent für den Liter Benzin nach oben verändert worden. Ein Liter Super bleifrei kostet im Brandenburger Durchschnitt zwischen 1,10 und 1,12 Euro. Damit unterscheiden sich die Preise kaum von denen in Berlin.

Die Autofahrer müssen seit Neujahr für eine Tankfüllung rund drei Cent mehr pro Liter bezahlen, nachdem die Ökosteuererhöhung in Kraft getreten ist. Damit könnte der so genannte Tanktourismus aus Deutschland nach Polen wieder zunehmen. Er war zwar in den vergangenen Jahren wieder zurückgegangen, weil viele Autofahrer Gerüchten Glauben schenken: Der in polnischen Billigtankstellen ausgegebene Sprit sei nicht ganz sauber und führe zu Motorschäden, so hieß es. Doch in den ersten Wochen des vergangenen Jahres gab es längere Schlangen vor den polnischen Tankstellen. Gestern kostete ein Liter Super bleifrei an der Tankstelle im polnischen Niederwutzen, das dem deutschen Hohenwutzen vis-a-vis liegt, 82 Cent.

Das waren zwar rund zwei Cent mehr als vor den Weihnachtstagen, aber etwa 30 Cent weniger, als derzeit in Brandenburg bezahlt werden muss. „Bei 50 Litern spare ich immerhin rund 15 Euro“, rechnete ein Autofahrer aus dem Berliner Norden. „Das hört sich nicht nach einem großen Betrag an, aber nach dem Tanken geht meine ganze Familie noch mehrere Stangen Zigaretten kaufen. Die sind hier um ein Drittel billiger. Da lohnt sich der Ausflug wieder.“ An Tankstellen auf den Billigmärkten hinter den deutsch-polnischen Grenzübergängen werden Hamsterkäufe sehr häufig beobachtet. Oft werden auch noch zahlreiche Kanister aufgefüllt. Insbesondere für Berliner, die mindestens 50 bis 60 Kilometer bis zur nächsten Grenzbrücke über Oder und Neiße zurücklegen müssen, lohnt sich nur eine größere Tankmenge. Inzwischen gibt es im gegenüber Frankfurt (Oder) gelegenen Slubice auch Markentankstellen, bei denen Panschereien von vornherein auszuschließen sind. Die Spritpreise in den polnischen Grenzorten beeinflussen das Preisgefüge auf deutscher Seite kaum. „Alle Veränderungen werden von der Zentrale vorgegeben“, hieß es in einer Esso-Tankstelle in Frankfurt (Oder). Deshalb können Autofahrer in den deutschen Grenzstädten nicht mit niedrigeren Preisen als in der Umgebung rechnen.

Weitere Informationen im Internet:

www.benzinpreis.de

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