Boxen : „Die Chipfabrik kann nichts gefährden“

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Die Verträge mit dem Intel-Konzern, dem Emirat Dubai und der Brandenburger Investitionsbank für die Chipfabrik in Frankfurt sind schon vor zwei Wochen unterzeichnet worden. Trotzdem folgte die offizielle Bestätigung erst jetzt. Warum diese Geheimniskrämerei?

Für Außenstehende mag das vielleicht nicht ganz nachvollziehbar sein: Unsere Partner haben uns gebeten, vor der Bekanntgabe die notarielle Beglaubigung abzuwarten.

Nach langer Zitterpartie der Durchbruch?

Man kann es so nennen, obwohl noch einige Hürden zu nehmen sind. Die Fabrik kann zügig zu Ende gebaut werden. Mit dem Eigenkapital steht das nötige Geld zur Verfügung. Der Bau soll im Juli weitergehen.

Kann der Zeitplan überhaupt noch eingehalten werden, die Fabrik im Sommer 2003 in Betrieb zu nehmen?

Der Fahrplan sieht jetzt so aus, hängt allerdings auch von der Witterung ab: Im Dezember soll die überdachte Halle stehen, um im Winter den Reinst-Raum ausbauen zu können. Gelingt dies, werden die ersten Test-Wafer im Herbst 2003 produziert. Dann wird die Fabrik zur Serienreife hochgefahren, so dass es Ende 2003/Anfang 2004 marktfähige Produkte geben wird. Das ist mit den Investoren so abgestimmt.

Das wird deutlich später sein als bisher geplant. Ist der Vorsprung der vom Frankfurter IHP-Institut entwickelten Technologie dann nicht aufgebraucht?

Das ist nicht der Fall. Der Zeitverzug beträgt zwar rund sechs Monate. Das ist aber nicht ungewöhnlich. Man muss berücksichtigen, dass am IHP jahrelange Entwicklungsarbeit geleistet wurde. Die Konkurrenz holt dies nicht in einigen Monaten nach. Alle Experten bescheinigen unserer Technologie – wegen der Leistungsfähigkeit, aber auch wegen günstiger Produktionskosten – exzellente Marktchancen.

Drohen durch das Notifizierungsverfahren in Brüssel neue Verzögerungen, zumal unvollständige Antragsunterlagen moniert wurden?

Dass die Unterlagen unvollständig waren, stimmt nicht. Ich kenne kein Notifizierungsverfahren für staatliche Beihilfen, das ohne Nachfragen über die Bühne ging. Ich gehe davon aus, dass es nach der Sommerpause eine positive Entscheidung geben wird.

Zur Finanzierung des 1,3-Milliarden-Dollar-Vorhabens wird eine Bund-Landes-Bürgschaft über 500 Millionen Dollar benötigt. Rechnen Sie mit Schwierigkeiten?

Die Signale von Bund, aber auch vom Land sind eindeutig: Es gibt keinen Grund, die bereits im vorigen Jahr beantragte Bürgschaft abzulehnen. Verhandelt wird lediglich noch über Details. Ich bin sicher, dass die definitive Zusage im Sommer vorliegen wird.

Kommt es gelegen, dass Kanzler Gerhard Schröder im Wahlkampf kaum ein ostdeutsches Großprojekt platzen lassen kann?

Ehrlich gesagt: Ich bin nicht glücklich darüber, dass die Entscheidung in die Zeit des Wahlkampfes fällt. Andererseits will ich nicht verhehlen, dass die Politik bisweilen in solchen Zeiten ein offeneres Ohr hat.

Trotzdem wird selbst im Brandenburger Kabinett manchem mulmig, weil die öffentliche Hand das größte Risiko tragen wird.

Natürlich kann ich bei der Höhe der öffentlichen Bürgschaft eine gewisse Vorsicht verstehen. Tatsache ist aber, dass die Bürgschaft ohnehin nur drei oder vier Jahre laufen wird, das Risiko für die öffentliche Hand also zeitlich begrenzt ist. Unser Vorteil ist: Als so genannte Foundry produzieren wir Wafer für Dritte, also nicht nur für Intel – und können so die Maschinen nach Auftragslage ordern. Schon bei einer Auslastung von 50 Prozent schreibt diese Fabrik schwarze Zahlen.

Bislang hielten sich Politiker von Bund und Land bei der Chipfabrik, was an den Negativschlagzeilen gelegen haben mag, auffällig zurück. Gibt es noch ein Richtfest mit dem Kanzler?

Wir planen für den Sommer ein Fest. Wir würden uns freuen, wenn hochrangige Politiker, hoffentlich auch der Bundeskanzler, mit uns feiern.

Seit dem Ausscheiden ihres Vorstandskollegen Klaus Wiemer führen Sie das Management allein. Ist das überhaupt zu schaffen?

Auf Dauer sicherlich nicht, für eine Übergangszeit ist es kein Problem. Der Aufsichtsrat von Communicant arbeitet intensiv daran, das Management zu erweitern: Wir werden den Vorstand mit Managern erweitern, die aus der Branche kommen, die einen n haben.

Dennoch gibt es jetzt Probleme, weil das Brauchwasser den geschützten Brieskower See belasten würde. Warum wurden solche Hausaufgaben nicht rechtzeitig erledigt?

Damit kein Missverständnis entsteht: Das Abwasser enthält weniger Schadstoffe als Leitungswasser, ist allerdings nährstoffreich. Man muss aber wissen, dass die Chipfabrik täglich so viel Wasser verbrauchen wird wie die gesamte Stadt Frankfurt. Es liegt im Interesse von Communicant, dass das Wasser nicht in den Brieskower See, sondern über eine neue Trasse in die Oder geleitet wird. Es ist ein lösbares technisches Problem.

Warum war bei der Vertragsunterzeichnung die Jenoptik AG nicht dabei, obwohl sie vor einigen Wochen von Communicant als strategischer Investor präsentiert wurde?

Jenoptik kommt ins Boot, die Zusage gilt. Es wäre jedoch zu aufwändig gewesen, in die weit fortgeschrittenen Verhandlungen mit Intel und Dubai einen neuen Partner einzubeziehen. Ich gehe davon aus, dass Jenoptik im Herbst Investor bei Communicant wird. Wir sind offen für weitere Partner.

Wozu werden diese benötigt, wenn die Gesamtfinanzierung gesichert ist?

Für die Finanzierung der Chipfabrik in Frankfurt/Oder sind sie nicht erforderlich. Nötig ist jedoch ein strategisches Herangehen. Die Märkte wachsen sehr schnell. Deshalb muss sich Communicant darauf einstellen, wie es weitergeht, wenn die Frankfurter Fabrik ihre Kapazitätsgrenze erreicht hat.

Dann wird die nächste Fabrik gebaut?

Ja, es ist vereinbart, das Folgewerk in Dubai zu errichten. Da es unter dem Dach von Communicant bleibt, wird es eine Brandenburger Firma sein. Nach unserem Business-Plan, der bis zum Jahr 2010 reicht, soll in Frankfurt/Oder die dritte Communicant-Fabrik entstehen.

Was kann die Chipfabrik noch gefährden?

Man soll sich nie voreilig festlegen, aber aus meiner Sicht: Nichts.

Das Interview führte Thorsten Metzner

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