Boxen : Die Hohenzollern sind nicht weit von Ziel entfernt

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Brandenburgs Sozialminister Alwin Ziel (SPD), wie Regierungschef Manfred Stolpe ein überzeugter Preuße, hat aus seinem Herzen keine Mördergrube gemacht: Ein gemeinsames Bundesland müsse ja nicht unbedingt Berlin-Brandenburg heißen, hatte Ziel gegenüber dieser Zeitung erklärt. "Ich würde nicht davor zurückschrecken, wenn es Preußen hieße." Ein Satz, der die Wogen hoch schlagen lässt: Freude im Hause Hohenzollern, vor allem aber eine breite Ablehnungsfront, die von Gregor Gysi bis Eberhard Diepgen reicht.

Bundesland Preußen? Das löst auch in Brandenburgs Politik ein kontroverses Echo und veranlasst Rätselraten über die Beweggründe Ziels. "Über einen Namen sollten wir erst dann reden, wenn wir ein gemeinsames Land haben", sagte gestern Brandenburgs Landwirtschaftsminister Wolfgang Birthler (SPD). Nicht nur er machte kein Hehl daraus, dass er von der Wiederbelebung Preußens rein gar nichts hält, zumal es eine außenpolitische Dimension gebe: "Man muss auch an die deutsch-polnische Verständigung denken", so Birthler. Absurd, hieß es auch in den Landtagsfraktionen von SPD und PDS: "Wenn man der Fusion engültig den Garaus machen will, dann kann man die Preußendebatte gern weiterführen." SPD-Landeschef Matthias Platzeck sagte, das Land habe wichtigere Probleme. Der Grünen-Vorsitzende Roland Vogt sprach von einem falschen Signal.

Aus der Staatskanzlei hieß es nur, dass selbst Manfred Stolpe - der noch immer über die Wiedereinführung des preußischen Rote-Adler-Ordens nachdenkt - schon abgewinkt habe, als beim Fusionsanlauf vor einigen Jahren der Name bereits einmal diskutiert wurde. Und CDU-Landeschef Jörg Schönbohm, obwohl ebenfalls überzeugter Preuße, sieht weder Chance noch Notwendigkeit für ein Land Preußen: Die Diskussion lenke von den Kernfragen der Fusion ab.

Zumindest in der Union gibt es aber noch Preußen-Fans: CDU-Fraktionschefin Beate Blechinger zum Beispiel. Zwar findet auch sie den Zeitpunkt der Ziel-Anregung unglücklich - gerade jetzt, wo mit dem noch drastisch vergrößerten Berliner Haushaltsdefizit das Fusionsprojekt in weite Ferne gerückt ist. "Erst muss die Braut geschwängert sein, ehe man über den Namen für das Kind nachdenkt." Doch in der Sache liegt Blechinger mit Ziel nicht weit auseinander. "Preußen ist auf jeden Fall ein Name, der ernsthaft zur Auswahl stehen wird".

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