• Die Mark wird zur deutschen Toskana Von der billigen Kate zum Luxusobjekt: Immobilienexperte sieht Chance für Brandenburg

Boxen : Die Mark wird zur deutschen Toskana Von der billigen Kate zum Luxusobjekt: Immobilienexperte sieht Chance für Brandenburg

Andreas Wilhelm

Potsdam - Entvölkerte Landstriche, verwaiste Gewerbegebiete und heruntergekommene Plattenbauten – die Prognosen für Brandenburg sehen in der Regel nicht rosig aus. Wolfgang Lis bezweifelt, dass es so kommen wird. Er ist Geschäftsführer der LBS Immobilien Potsdam, der Immobilienmaklergesellschaft der ostdeutschen Sparkassen. Seine Erfahrung der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass selbst die Randgebiete der Mark zu einer attraktiven Wohn- und Urlaubsregion avancieren könnten. Der britische Filmstar Rupert Everett macht es vor. Er ist gerade dabei, sich ein Haus in Templin zu suchen. Die Natur sei großartig und so „authentisch“, schwärmte er vor kurzem.

Wolfgang Lis ist seit 35 Jahren im Immobiliengeschäft tätig, seit der Wende beobachtet er den Markt im Osten Deutschlands und vergleicht die Entwicklungschance Brandenburgs gerne mit der italienischen Toskana. „Dort konnte man Anfang der 80er Jahre noch günstig eine alte Bauernkate kaufen“, sagt er. Heute seien das teure Gegenden. Und auch in Frankreich habe man geglaubt, dass Landstriche fernab der Metropolen aussterben, sagt Lis. „Wo man vor 25 Jahren noch ’n Appel und ’n Ei bezahlt hat, muss man sich heute teuer einkaufen.“

So soll es seiner Meinung nach auch in Brandenburg kommen. Wo es im Sommer schließlich jetzt schon manchmal heißer sei als auf Mallorca. Doch nicht nur wegen des Klimawandels kann sich der Immobilienexperte eine ähnliche Entwicklung für die Mark und hauptstadtferne Teile Ostdeutschlands vorstellen. Günstige Telefon- und Internetverbindungen tragen seiner Meinung nach immer mehr dazu bei, dass Leute nicht mehr jeden Tag ins Büro fahren müssen. „Ein Meeting, ein- oder zweimal pro Woche, reicht meist.“ Den Rest der Zeit könnten Mitarbeiter, die zum Beispiel in Berlin arbeiten und wollen, dass ihre Kinder naturnah aufwachsen, in ihrer günstigen Immobilie auf dem Land verbringen – Webcam und Flatrate sei Dank.

Für Lis’ Optimismus sprechen auch Zahlen: Die Immobilien GmbH der LBS hat in den neuen Bundesländern im Jahr 2007 ihren Umsatz um 15 Prozent steigern können. Mit 2953 verkauften Einheiten haben die Mitarbeiter zwei Millionen Euro mehr Provision als im Vorjahr erzielt und damit das seit zehn Jahren beste Ergebnis in den neuen Bundesländern.

Obwohl die Bevölkerung dort in den vergangenen 15 Jahren um knapp acht Prozent geschrumpft ist, steige der Bedarf, sagt Lis und nennt ein Beispiel: Weil die Ostdeutschen früh Kinder bekommen haben, sind die Kinder eines 50-jährigen Ehepaars längst ausgezogen und benötigen ihre eigenen Wohnungen. Auch die Großeltern leben meist noch. Sodass bei einer ostdeutschen Familie mit Großeltern, Eltern und zwei Kindern fünf Wohnungen benötigt werden. Weil die Menschen immer älter werden, verstärke sich das noch. Im Westen sieht es anders aus: Weil die Menschen später Kinder bekommen, wohnen zwei Kinder eines 50-jährigen Paars noch zuhause, von den Großeltern sind oft schon welche gestorben. Es werden nur drei Wohnungen gebraucht.

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