Boxen : Die Nagelprobe hat Schönbohm noch vor sich

THORSTEN METZNER

POTSDAM .Die beiden Bodyguards und den gepanzerten Dienstwagen für den Berliner Innensenator a.D.stellt weiterhin die Berliner Polizei.Dies liege daran, "daß die Brandenburger Polizei selbst nicht genügend Personenschützer hat", sagt Jörg Schönbohm.Allerdings habe er ausdrücklich auf einem märkischen Nummerschild bestanden, "und zwar vom ersten Tag in Brandenburg an".Schönbohm will die brandenburgische CDU aus ihrem Tal führen.Bis zur Wahl zum Landesvorsitzenden Mitte Januar will der Ex-General Land und Leute, vor allem aber die eigenen Parteifreunde kennenzulernen.Schönbohm hat dafür genügend Zeit: "Ich bin ja arbeitslos", sagt er.

An diesem Dienstag macht der designierte Stolpe-Herausforderer erstmals Station in der Landeshauptstadt, wo er sich per Stadtrundfahrt von CDU-Kreischef Wieland Niekisch - er arbeitet im Planungsstab der ehemaligen Schönbohm-Behörde - Potsdams Probleme erläutern läßt: Blick vom Babelsberger Park auf das Glienicker Horn, Blick vom Turm der Heilig-Geist-Kirche auf das monströse Potsdam-Center.Eine Prise preußische Geschichte dazwischen.Dann Stippvisite in der aufstrebenden Medienstadt Babelsberg.Am Abend Auftritt auf dem Parteitag der Stadt-CDU.Ein typischer Tag im neuen Leben des Privatiers Schönbohm, nun von früh bis spät in die Nacht in märkischen Gefilden unterwegs.

"Das Land ist ja so ellengroß".Schmerzen die Wunden einen Monat nach seinem turbulenten Weggang aus Berlin noch? Bereut er seinen Gang nach Brandenburg? Auf Fragen dieser Art antwortet Schönbohm mit selbstironischer Lockerheit."Es gibt ja Wetten, wie groß meine Halbwertzeit ist - aber es macht mir wirklich Spaß." Schönbohm erzählt, daß die Zustimmung an der CDU-Basis für seine Kandidatur "sehr hoch" sei, daß es sogar erste Neueintritte gegeben habe.Dann fügt er aber sofort einschränkend hinzu, daß Schwierigkeiten zwangsläufig auftauchen, "wenn im Frühjahr die Listen für die Landtagswahl aufgestellt werden." Das wird die Nagelprobe, für Schönbohm und die Brandenburger CDU.Ab Frühjahr 1999, wenn der Landtagswahlkampf beginnt, will der Stolpe-Herausforderer dann alle Landkreise und größeren Städte bereisen, Arbeitsämter besuchen, mit Kammern und Bürgern sprechen.

Hat er ein Rezept, wie er die absolute Mehrheit der Stolpe-SPD brechen kann? Nein, antwortet Schönbohm.Doch seine Strategie gewinne erste Konturen: Die Wahlkampf-Themen liegen auf der Hand: Arbeitsplätze, Defizite in der Schulpolitik, Innere Sicherheit, "Taubenschlag"-Gefängnisse.Eine Lektion habe er schon verinnerlicht: "Man muß es an Sachthemen festmachen.Es nützt nichts, die Personen anzugreifen." Zudem frage er sich, wie man ohne Oberlehrer-Gestus dieses "Wir-Gefühl" verändern könne, mit der die Brandenburger der Stolpe-Regierung diverse Affären verziehen hätten.

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