Boxen : Die Putzfrauen der Minister

MICHAEL MARA

POTSDAM . Brandenburgs Regierung hat manchmal, wir verraten da gewiß nichts Neues, mit gewissen Abstimmungsproblemen zu kämpfen. Aber gestern funktionierte der Regierungsapparat perfekt - bei einem vergleichsweise banalen Thema: Wie halten es märkische Minister eigentlich mit ihren Putzfrauen?

"Wir machen den Quatsch nicht mit, das ist Berliner Provinztheater", regt sich Regierungssprecher Erhard Thomas auf. "Wir wollen uns nicht auf das Niveau englischer Boulevardzeitungen begeben", schallt das Echo aus dem Finanzministerium zurück. Wilma Simons Sprecher Klaus Feiler ("Fangen Sie bloß nicht mit dem Thema Putzfrauen an!") macht gar keinen Hehl daraus, daß man sich mit der Staatskanzlei "auf eine einheitliche Linie" verständigt habe. "Wir haben keine Lust, uns mit diesem Thema zu befassen." Und als Kulturminister Steffen Reiche doch noch ein paar Sätze verlauten läßt, ruft sein Sprecher Martin Gorholt sogleich zurück: "Minister Reiche möchte nicht allein zitiert werden."

Ein Schreiben des Hamburger Magazins "Stern" an jedes Kabinettsmitglied hat die Regierung aufgebracht: Nachdem der Berliner SPD-Spitzenkandidat Walter Momper zugegeben habe, eine Putzfrau ohne Steuerkarte beschäftigt zu haben, wolle man "eine Sammelgeschichte über die Putzfrauen der Mächtigen machen und dazu wissen, ob auch Sie eine Reinemachefrau beschäftigen, um welche Art von Arbeitsverhältnis es sich handelt und ob es möglich ist, die Frau zu fotografieren"?

Unmöglich, findet Erhard Thomas. Man habe dem "Stern" empfohlen, lieber in Mallorca zu recherchieren: "Dort gibt es wirklich Mächtige und viele Putzfrauen." Ein SPD-Politiker kommentiert: "Das fehlte noch, daß wir wie Momper selbst Affären konstruieren." Es sei ja nicht völlig auszuschließen, daß dieser oder jener eine Putzfrau schwarz beschäftige.

Sicher ist, daß auch Brandenburgs Mächtige den Segen einer Haushaltshilfe zu schätzen wissen. Kulturminister Steffen Reiche und Finanzministerin Wilma Simon beschäftigen eine solche Perle. "Mit ordentlichem Arbeitsvertrag und allem Drum und Dran", so Reiche. Auch bei Simon ist, wie ihr Sprecher durchblicken läßt, "alles ordentlich geregelt und angemeldet".

Regine Hildebrandt weist jede Verantwortung von sich: Das Management im Mehrgenerationenhaus ihrer Familie habe die Tochter übernommen. "Sie beschäftigt eine Putzhilfe, aber nicht schwarz, sondern im Rahmen der 630-Mark-Regelung." Der Ministerpräsident und seine Gattin, beide sind berufstätig, kommen ebenfalls nicht ohne Hilfe aus.

Stolpe hatte dem Tagesspiegel letzte Woche am Ende eines Interviews versichert: Alles habe seine Ordnung. Dennoch gab er das Zitat nicht frei. Gestern die Erklärung: "Das könnte als Dolchstoß gegen Momper aufgefaßt werden. Der hat es schon schwer genug". Nun ja, die Sache ist im Grunde erledigt, Momper zahlt die Steuern für seine Putzhilfe nach.

Der einzige Minister, der die Sache wirklich entspannt sieht, scheint Agrarminister Gunter Fritsch zu sein: "Vielleicht führt die Diskussion dazu, daß sich die Berliner Kollegen ein bißchen sensibler verhalten." Fritsch hat gut reden: Er beschäftigt keine Putzfrau, wie übrigens auch die Minister Dreher und Henne nicht. Auch Stolpe-Herausforderer Schönbohm hat gut lachen: "Meine Frau putzt selbst."

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