Boxen : Die Schule der Meister von morgen

DFB-Chef Theo Zwanziger zeichnete in Cottbus Deutschlands erste „Eliteschule des Fußballs“ aus

Sandra Dassler

Cottbus – „Wir sind alle mächtig stolz“, sagt Marion Schulze. Die 41-Jährige ist Schulsozialarbeiterin an der Lausitzer Sportschule in Cottbus, die gestern zu Deutschlands ersten „Eliteschule des Fußballs“ gekürt wurde. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, überreichte persönlich die offizielle Lizenzierungsurkunde.

„Die Cottbuser Sportschule hatte sich wie viele andere Bildungseinrichtungen um das Zertifikat beworben und die strengen Kriterien bravourös erfüllt“, sagte er. „Das liegt besonders an der sehr guten Zusammenarbeit mit dem FC Energie, der Gott sei Dank wieder in der 1.Bundesliga spielt, und an der Förderung durch die Landesregierung.“ Hier fänden Nachwuchsfußballer hervorragende Bedingungen vor. Sportbetonte Schulen wie die in Cottbus kenne man im Westen Deutschlands bis zum heutigen Tag nicht.

560 Schüler erwerben derzeit an der 1954 als Kinder- und Jugendsportschule gegründeten Einrichtung das Abitur oder den Gesamtschulabschluss. Viele von ihnen entwickeln sich in dieser Zeit zu Landes-, Europa- und Weltmeistern unter anderem in den Sportarten Turnen, Boxen, Leichtathletik und Radsport. Die Schule bietet Ganztagsbetreuung und hat 309 Internatsplätze. 150 Schüler, darunter auch Mädchen, haben sich dem Fußball verschrieben und wollen Profis werden.

Dass das geht, haben unter anderem Alexander Walke und Kevin McKenna bewiesen. Beide sind ehemalige Schüler und beide spielen im Profibereich: Walke als Torwart beim Zweitligisten SC Freiburg, McKenna, der einst von der kanadischen Partnerschule in Calgary nach Cottbus wechselte, beim Erstligisten FC Energie.

Der Erfolg des Lausitzer Fußballnachwuchses ist vor allem jenem Netzwerk zu verdanken, das den DFB jetzt zur Verleihung der Auszeichnung bewog. So können die Schüler bereits während des Vormittagsunterrichts eine Trainingseinheit absolvieren, sie werden bei den Hausaufgaben betreut, es gibt Nachhilfe-Angebote und flexible Klausurtermine. „Das ist notwendig, weil ja sportliche Wettkämpfe ohne Rücksicht auf Stundenpläne stattfinden“, sagt Wolfgang Neubert, der die Schule seit 1993 leitet.

Marion Schulze hat früher selbst an der Schule gelernt. Sie war Kugelstoßerin und kennt die Probleme der Schüler. „Als Schulsozialarbeiterin muss ich beispielsweise zwischen den Jugendlichen und ihren Lehrern oder Trainern vermitteln, bei Liebeskummer helfen oder manchmal auch nur jemanden in den Arm nehmen, weil er Heimweh hat“, erzählt sie. Schließlich kommen viele Absolventen im Alter von zwölf Jahren nicht nur aus Cottbus, sondern aus ganz Deutschland und dem Ausland.

Die meisten schaffen das Abitur. Wem der Gesamtschulabschluss genügt, bekommt einen Ausbildungsplatz vermittelt, der weiteres Training ermöglicht.

Es sei also kein Zufall, dass ausgerechnet die östlichste Sportschule Deutschlands als erste die Auszeichnung „Eliteschule des Fußballs“ erhalte, sagte gestern DFB-Sportdirektor Matthias Sammer. Bei der Nachwuchsförderung haben die Cottbuser einiges aufzuweisen. Immerhin hat Arne Feick, der gerade die 13.Klasse besucht, kürzlich mit der U-19-Auswahl gegen Wales gespielt. Und sein Klassenkamerad Christof Neumann gehört bereits zum erweiterten Kader des FC Energie.

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