Boxen : Die Spiele sind noch lange nicht zu Ende

Nach Olympia beginnen die Paralympics – 35 behinderte Sportler aus Berlin und Brandenburg machen sich auf den Weg nach Athen

Annette Kögel

Potsdam/Berlin – Nach den Spielen ist vor den Spielen: Olympia ist zu Ende – die Paralympics stehen kurz bevor. Zu den Weltspielen der Behinderten vom 17. bis 28. September in Athen reisen auch zehn Sportlerinnen und Sportler aus Brandenburg sowie 25 Athleten aus Berlin. Die Paralympics-Teilnehmer wurden gestern auf der Rehabilitations-Messe „Reha fair“ in Berlin offiziell verabschiedet. „Vertreten Sie das Land Brandenburg und die größte Stadt darin – Berlin – würdig“, sagte Brandenburgs Sportminister Steffen Reiche (SPD) mit einem Lächeln. Für den Berliner Senat überbrachte Sportstaatssekretär Thomas Härtel in den Messehallen unterm Funkturm Grußworte.

„Nach Athen reisen sechs Paralympics-Sportler mehr aus unserer Region als vor vier Jahren nach Sydney“, sagte Härtel. Auch 21 Trainer und Betreuer gehören zum Team. Die Athleten betreiben beeindruckenden Leistungssport und zeigen Härtel zufolge „zudem, dass man trotz Handicaps mit Freude und Optimismus im Leben stehen kann“. Mit Berlins Ausnahmesportlerin, der im Rollstuhl sitzenden Kugelstoßerin und Diskuswerferin Marianne Buggenhagen, hoffe die ganze Stadt, dass sie „ihre achte Goldmedaille“ gewinnt. Der querschnittgelähmte Olaf Jacobs geht zum ersten Mal bei Paralympics an den Start. Der Segler aus Köpenick hofft mit seiner Dreier-Sonar-Crew auf einen Medaillenrang.

Auch viele Brandenburger Sportler reisen mit Medaillenhoffnungen nach Athen – Kirstin Fussan vom Landessportbund (LSB) Berlin bat einen nach dem anderen auf die rollstuhlgerechte ebenerdige Bühne. Für gehörlose Besucher übersetzten Dolmetscher in Gebärdensprache. Das Land Brandenburg setze vor allem auf das Team um Leichtathletik-Landestrainer Ralf Paulo, bedeuteten die Gesten: Die querschnittgelähmte Martina Willing von der ASG Brandenburg könnte erneut ebenso eine Paralympics-Medaille holen wie Rennrollstuhlathletin Yvonne Sehmisch vom LC Cottbus. Der blinde Rayk Haucke vom SSV Königs Wusterhausen gilt als einer der Favoriten in den Disziplinen Speerwurf und Staffellauf. Brandenburg entsendet zudem viele Goalballspieler. Eine Hallensportart, bei der wie beim Eishockey gepolsterte Spieler in Teams gegeneinander antreten, erläuterte die blinde Spielerin Regina Vollbrecht. „Den Ball erkennt man an der Klingel im Inneren.“ Nach vielen guten Wünschen auch von LSB-Präsident Peter Hanisch gab es Applaus für das Rollstuhltanzteam „Dance Two“. Heute kann man Athleten beim Paralympics-Festival am Sportforum Hohenschönhausen an der Konrad-Wolf-Straße erleben.

In Athen werden die bislang größten Weltspiele von Menschen mit Behinderungen erwartet – es kämpfen 4000 Athleten aus 145 Ländern um 500 Medaillen. Dazu werden 2000 Team-Offizielle, 2000 Medien-Vertreter, 1000 Technische Funktionäre und 15000 freiwillige Helfer erwartet. Die Sportler messen sich in 19 Disziplinen. Bundespräsident Horst Köhler und Kanzler Gerhard Schröder wollen die Athleten in Athen besuchen. Der Deutsche Club mit dem „Berliner Biergarten“ liegt nahe dem Olympiastadion in der Deutschen Schule – hier befindet sich auch die Redaktion der „Paralympics-Zeitung“, die der Tagesspiegel als Partner in Athen betreut (s. Kasten).

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