Boxen : Dörfer kriegen Geld nur noch für Jobs

Neue Förderpolitik: In den Landregionen wird nur noch in Gewerbe investiert

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Potsdam Was bedeutet Brandenburgs neue Förderpolitik für die Dörfer in den ländlichen Regionen? Dazu stellte gestern Agrar- und Umweltminister Dietmar Woidke (SPD) im Kabinett erste Eckpunkte vor. „Wir wollen dort die Förderung auf Gewerbe konzentrieren. Die Förderung von Infrastruktur und sozialen Einrichtungen wird auf das Notwendigste beschränkt“, sagte Woidke.

Was gemeint ist, hatte kürzlich SPD-Fraktionschef Günter Baaske (SPD) erklärt: Früher seien oft neue Dorfgemeinschaftshäuser gefördert worden, die dann Räume für Feiern und Veranstaltungen vermietet hätten. „Und die Dorfkneipe ging Pleite – so wurden Jobs vernichtet.“ Künftig soll es nur noch ausnahmsweise Geld für Bürgersteige, Bushaltestellen, Dorfhäuser, Museen, Sportanlagen in den Dörfern geben – nur, „wenn wir uns davon neue Arbeitsplätze versprechen“, so Woidke. Trotzdem werde den ländlichen Regionen das Geld nicht völlig gestrichen. „Keine Region wird im Stich gelassen.“ Er verwies darauf, dass die ländlichen Regionen 90 Prozent der Landesfläche ausmachen. „Zwei Drittel der Brandenburger leben dort.“ Und trotz Abwanderung und Bevölkerungsrückgängen werde auch im Jahr 2040 immer noch mehr als jeder zweite Brandenburger dort leben.

Woidke reagierte damit auf Befürchtungen in der Prignitz und anderen Randregionen, von der Entwicklung abgehängt zu werden, weil die neue Förderpolitik nur noch auf wirtschaftliche Kerne und auf das Berliner Umland zielt. Woidke verwies darauf, dass die Programme von EU und Bund für die Entwicklungen der ländlichen Räume fortgesetzt werden. Zwar sei absehbar, dass die Mittel zurückgehen. Dennoch würden auch in der neuen Förderperiode ab 2007 „50 bis 60 Prozent“ der bisherigen Gelder für die Landregionen zur Verfügung stehen, also jährlich rund 160 Millionen Euro.

Trotzdem prophezeien Bevölkerungsforscher, dass es in den schon jetzt extrem dünn besiedelten Randregionen mittelfristig verlassene Dörfer wie nach dem 30-jährigen Krieg geben werde. Woidke widersprach dem. Er rechne damit, dass die Dörfer durch den Zuzug von Großstädtern erhalten bleiben. thm

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