Boxen : Doppelmord von 1997 vor Aufklärung

Polizei fand die Leichen von Mutter und Kind

Sandra Dassler

Frankfurt (Oder) - Vor fast genau neun Jahren – am 1. Juli 1997 – verließ die 23-jährige Heike Nagler mit ihrem vier Monate alten Sohn Göran ihre Wohnung in Frankfurt (Oder). Danach hat niemand mehr die junge Frau und ihr Baby gesehen. Am Montag wurden die Leichen von Mutter und Kind in einem Wald in der Nähe des Frankfurter Vororts Lossow gefunden. „Bei der Toten handelt es sich eindeutig um Heike Nagler“, sagte gestern eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Bei dem Baby stünden abschließende Befunde noch aus, es sei aber kaum anzunehmen, dass die junge Frau ein anderes Kind bei sich hatte, als sie verschwand.

Dass die beiden einem Tötungsverbrechen zum Opfer gefallen sein müssen, stand für die Polizei schon kurz nach ihrem Verschwinden fest. In Verdacht geriet damals Klaus-Dieter W., der Vater des Babys. Der heute 51-Jährige hatte ein Verhältnis mit Heike Nagler, lebte aber in einer festen Beziehung mit einer anderen Frau. Er stritt jegliche Beteiligung am Verschwinden von Mutter und Kind ab. Da die Polizei keine Leichen fand, konnte ihm nichts nachgewiesen werden.

Dass der Fall so viele Jahre später möglicherweise doch aufgeklärt werden kann, ist dem Hinweis der ehemaligen Lebensgefährtin zu verdanken. Sie hatte sich 2004 von Klaus-Dieter W. getrennt und vor einigen Wochen bei der Polizei gemeldet. Aus Vermittlerkreisen wurde bekannt, dass der Verdächtige ihr schon kurz nach der Tat davon berichtet habe. Von der Frau sei auch der Tipp gekommen, im Wald bei Lossow zu suchen. Am 24. April 2006 wurde Klaus-Dieter W. wieder in Untersuchungshaft genommen. Der Haftbefehl lautet auf zweifachen Mord. Zugleich startete eine groß angelegte Suchaktion, die in den vergangenen Wochen einige Male fast abgebrochen wurde. Dass die sterblichen Überreste doch noch gefunden wurden, sei fast ein Wunder, sagte ein Polizeibeamter. Die Untersuchungen zur Todesursache dauern noch an. Klaus-Dieter W., der als Landschaftsgärtner für die Stadt Frankfurt arbeitete, streitet nach wie vor jede Tatbeteiligung ab.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben