Boxen : Durch die Hintertür verkauft Strittmatter selbstgemachten Honig

HANNE BAHRA

SPREMBERG/BOHNSDORF .Heute wäre der Schriftsteller Erwin Strittmatter 86 Jahre alt geworden.Ein guter Anlaß für den Strittmatter-Verein, eine Bronzetafel am ehemaligen Spremberger Lyzeum anzubringen.Der Schüler Strittmatter war hier sechs Jahre lang Untermieter beim Hausmeisterehepaar.Von hier aus begab sich der Knabe allmorgentlich über die schöne mit Linden und Ahorn bepflanzte Poststraße zum Gymnasium, das heute seinen Namen trägt.Das hintere Ende der Poststraße wurde kürzlich ebenfalls nach dem Schriftsteller benannt, der zu den bekanntesten Romanciers der DDR gehörte.Die Namensänderung der Straße hatte der Bürgermeister von Spremberg Egon Wochatz, ein guter Freund und Kenner Strittmatters, durchgesetzt.

Nächstes Jahr soll eine Tafel am Marktplatz auf sämtliche Stätten, die an Strittmatter erinnern, verweisen, angefangen beim wiedererbauten Geburtshaus.Die "Strittmatter-Meile" von Spremberg bis Bosdorf ist 15 Kilometer lang."Wir wollen den weit über Deutschland hinaus bekannten Literaten nicht neu definieren", sagt der Vereinsvorsitzende Werner Noack.Ziel des Vereins sei, Orte an denen Strittmatter wichtige Etappen seines Lebens verbrachte, zu erhalten: In Spremberg, wo er 1912 geboren wurde; in Graustein, wo er eingeschult wurde und in Bohsdorf, wo er lange Jahre wohnte.

Der Mitgliederausweis des 82jährigen Bruders von Strittmatter trägt die Nummer eins.Zur Zeit kann Heinrich Strittmatter seinen selbstgemachten Honig nur durch die Hintertür verkaufen, denn der durch die Romantrilogie berühmte Laden in Bohsdorf ist wegen Renovierung geschlossen.Und das wurde höchste Zeit."Der Laden befand sich in einem saumäßigen Zustand.Der Schwamm kroch schon zwei Meter die Wände hoch und der Schornstein der ehemaligen Bäckerei drohte aufs Dach zu fallen", erzählt Noack.

87 000 Mark wurden vom Land für die Sanierung zur Verfügung gestellt, eine halbe Million wird insgesamt benötigt.Man hofft dennoch, daß Bruder Heinrich im November wieder hinter dem Ladentisch stehen kann, umgeben von alten Fotografien der Menschen die zu Gestalten in Strittmatters Romanen wurden.Bis dahin wird das originale Interieur aus dem Prignitz-Dorf Roddan, an dem Jo Baier Strittmatters "Laden" verfilmte, längst wieder zurück sein.Am Mittwoch, den 25.November, hat "Der Laden", eine 10 Millionen Mark teure Gemeinschaftsproduktion von ORB, SWF, MDR, BR und Arte Bildschirmpremiere im ARD.Die zwei weiteren Teile der Lebensgeschichte des Esau Matt, Alter ego Strittmatters, folgen am 27.November und 2.Dezember.

Schon jetzt kommen die Besucher busweise nach Bohsdorf, für den Herbst erwartet der Ort eine eine wahre Strittmatter-Prozession.Ein ehemaliger Konsum, fünfzig Meter vom "Laden" entfernt, soll deshalb zur "Begegnungsstätte" in Sachen Strittmatter umfunktioniert werden.

Zu Strittmatters 87.Geburtstag im kommenden Jahr wird das Spremberger Museum seine langjährige Sammeltätigkeit von "Kunst zu Strittmatter" endlich mit einer ständigen Ausstellung krönen können.In zwei Räumem des dann im Spremberger Schloß neueröffneten Museums werden neben zahlreichen Druckerzeugnissen etwa 180 künstlerische Arbeiten wie die Kostümentwürfe zu "Ole Bienkopp", Bühnenbildentwürfe, Illustrationen und ein von Strittmatter inspirierte Teppichzyklus Senftenberger Weber zu sehen sein.

Wer mehr über Strittmatter und die Niederlausitz erfahren möchte, kann bei dem Hobbyhistoriker Klaus-Dieter Nikolaus, Tel.035698/486 eine zweistündige Führung durch Bohsdorf bestellen.

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