Boxen : Ebbe in der Oder

Zu wenig Regen: Niedriger Wasserstand stoppt die Binnenschifffahrt auch auf anderen Flüssen und Kanälen

Claus-Dieter Steyer

Eberswalde. Die anhaltende Trockenheit führt auf allen Brandenburger Flüssen und Kanälen zu dramatisch fallenden Pegelständen. Auf der Oder musste die Schifffahrt jetzt sogar eingestellt werden, weil die Frachter nicht mehr genug Wasser unter dem Kiel haben. Betroffen ist vor allem der Bereich zwischen Ratzdorf in Ostbrandenburg, wo die Neiße in die Oder mündet, und Friedrichsthal im nördlichen Nationalpark Unteres Odertal. Teilweise beträgt die Wassertiefe nur 70 Zentimeter, teilte das Wasser- und Schifffahrtsamt Eberswalde mit. Da lohnt sich für die Binnenschiffer kein Ablegen mehr, da sie die kritischen Strecken nur mit wenig Ladung passieren könnten. Keine Probleme haben hingegen die Freizeitboote.

In Frankfurt fällt der Rückgang des Wassers beim Blick von der Stadtbrücke ganz besonders auf. Teilweise können sich die Angler aus dem polnischen Slubice bereits bis in die ursprüngliche Flussmitte bewegen und dort ihr Glück versuchen. So weit ragen die sonst überfluteten Sandbänke in den Strom.

Nicht viel besser sieht es auf der Elbe und auf den Kanälen durchs Land aus. Der Pegel im sächsischen Riesa zeigte gestern 89 Zentimeter, der in Lauenburg nördlich der Brandenburger Landesgrenze noch 95 Zentimeter. Hier ist die Binnenschifffahrt zwar noch nicht offiziell eingestellt worden, doch die Frachter können nur mit reduzierten Gütermengen verkehren. „Lädt ein Lastschiff normalerweise 1000 Tonnen, so sind derzeit nur 200 Tonnen möglich“, teilt die Deutsche Binnenreederei AG in Berlin mit. Da müsse jedes Unternehmen selbst entscheiden, ob noch ein Gewinn herauszuholen ist.

Auf den ostdeutschen Binnenwasserstraßen fahren ohnehin kaum noch Schiffe unter deutscher Flagge. 90 Prozent aller Lastkähne gehören polnischen und tschechischen Reedern. Bei ihnen fallen die derzeitigen Ausfälle wegen der niedrigen Lohnkosten weniger stark ins Gewicht als bei einheimischen Unternehmen. Allerdings hat an den vergangenen Tagen auch der Verkehr zwischen Berlin und Stettin auf dem Oder-Havel-Kanal und der Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße sowie der anschließenden eigentlichen Oder stark abgenommen.

Die Deutsche Binnenreederei AG versucht, die Zwangspause im Osten durch verstärkte Fahrten auf Rhein, Main und anderen westdeutschen Revieren sowie durch das Abbummeln angesammelter Überstunden zu überwinden. Kurzarbeit hat die Reederei bislang noch nicht beantragt.

Seit Februar liegen die monatlichen Niederschlagsmengen in Brandenburg und Berlin weit unter dem langjährigen Durchschnitt. Wie von den Meteorologen zu erfahren war, fielen im Juni in der Uckermark nur 29 Prozent des üblichen Regens. In Manschnow an der Oder wurden 36 Prozent gemessen, in Neuruppin 44 Prozent und in Wiesenburg im Fläming 81 Prozent. Berlin lag mit 60 bis 70 Prozent im Mittelfeld.

Im Brandenburger Durchschnitt erreichten die gemessenen Regenmengen von Februar bis Mai lediglich 15 bis 67 Prozent des üblichen Maßes. Neben den nördlichen Regionen ist vor allem der Südosten von der Trockenheit betroffen. Um die Lausitzer Talsperren ausreichend mit Wasser zu füllen, wurden größere Mengen in Sachsen gekauft. Dort sind die Reservoire in der Oberlausitz noch gut gefüllt. Sorgen bereitet die Wasserknappheit jedoch den Spezialisten für die Flutung ehemaligen Tagebaugruben. Da sie aus der Spree und der Schwarzen Elster kaum noch Wasser abzweigen können, kommen ihre Zeitpläne völlig durcheinander. Gleichzeitig steigt das Grundwasser in den aufgegebenen Braunkohlen-Tagebauen. Bei dessen Aufsteigen durch die Erdschichten nimmt es allerdings saure und somit für das Baden ungeeignete Eigenschaften an. Frischwasser aus den Flüssen sollte neutralisierend wirken. Das fällt nun aus, wahrscheinlich noch auf lange Zeit.

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