Boxen : Eigenheim aus dem Baukasten zieht junge Mieter an

CLAUS-DIETER STEYER

HENNIGSDORF .Der Traum vom eigenen Haus in schöner Umgebung bleibt zumeist für junge Familien oder ältere Ehepaare unerfüllt.Den einen fehlt das notwendige Eigenkapital, die anderen haben wegen ihres fortgeschrittenen Alters bei den Banken oft wenig Kreditchancen.In Hennigsdorf am nordwestlichen Berliner Stadtrand könnten Berliner und Brandenburger Interessenten aus beiden Gruppen jetzt zum Zuge kommen.Denn die städtische Wohnungsbaugesellschaft bietet 86 Quadratmeter große Wohnungen in Reihenhäusern zur Miete an.Trotz der vergleichsweise geringen Größe verteilen sich die Zimmer auf drei Etagen, dazu gibt es einen 170 Quadratmeter großen Garten.Die Kaltmiete liegt bei 13 Mark pro Quadratmeter."Wir suchen bewußt den Wettbewerb mit Berlin, denn Heiligensee liegt ja nur einen Katzensprung entfernt", sagt Geschäftsführer Holger Schaffrath.284 500 Mark kostet die Wohnung, einschließlich aller Ausgaben für Grundstückskauf, Erschließung, Nebenanlagen und Freiflächen." Das sich mitten in der Fertigstellung befindliche Vorhaben ist angesichts solcher Konditionen in den Kreis von Modellvorhaben für märkisches Bauen und Wohnen des Bauministeriums aufgenommen worden.

Die Siedlung trägt den verführerischen Namen "Am Waldrand".Die Hennigsdorfer Reihenhäuser stehen tatsächlich am Wald und dennoch nicht auf grüner Wiese weit weg vom Stadtzentrum.Die Stadtverwaltung erschloß hier eine alte Industriebrache und übergab sie als Bauland für wenig Geld der stadteigenen Wohnungsbaugesellschaft.Obwohl Hennigsdorf seit der Wende seine Einwohnerzahl bereits um rund 4000 auf jetzt 25 700 vergrößerte, kämpft der Ort offenbar um jeden neuen Steuerzahler.Entstanden die meisten neuen Wohnungen bisher meist im Ortsteil Nieder Neuendorf an der Grenze zu Spandau, werden mit der Siedlung "Am Waldrand" jetzt auch verstärkt neue Adressen in Zentrumsnähe angeboten.

Keine zehn Minuten braucht ein Radfahrer bis zum Bahnhof, in dem ab 15.Dezember wieder die S-Bahn aus Berlin hält.Schulen, Kindertagesstätten und Schwimmhalle befinden sich gleich in der Nähe.Im ersten Bauabschnitt sind bis Mai nächsten Jahres 18 Reihenhauswohnungen und 21 Sozialwohnungen geplant.Nebenan stehen bereits vier Reihenhauszeilen mit insgesamt 40 Wohnungen.

Die vergleichsweise niedrigen Summen für Miete oder Kauf macht neben den geringen Grundstückskosten vor allem die Modulbauweise möglich.Wie beim Baukasten können die vorgefertigten Holzkonstruktionen beliebig miteinander kombiniert werden.In Deutschland gehören Reihenhäuser mit 86 Quadratmeter Wohnfläche noch zu den Ausnahmen, im Nachbarland Holland dagegen sind sie weit verbreitet.

"Nicht nur deshalb unterstützen wir das Hennigsdorfer Pilotprojekt", sagt der im brandenburgischen Bauministerium zuständige Abteilungsleiter Gerhard Steintjes."Die Wohnungsbaugesellschaft entspricht unserem Ziel, Eigenheime oder Reihenhäuser inklusive Grundstück für unter 290 000 Mark anzubieten.Die Baukosten für Mietwohnungen sollten bei 1700 Mark pro Quadratmeter liegen.Derzeit beträgt der landesweite Durchschnitt noch 2000 Mark.

Bis zum Jahr 2010 rechnet Steintjes mit dem Bau von 150 000 Wohnungen in Brandenburg.Zwei Drittel davon würden im Berliner Umland gebaut.Die Förderprogramme unterstützten sowohl den Umzug Mietwohnungen als auch den Erwerb von Wohneigentum.Der hohe Bedarf an neuen Wohnungen stünde nicht im Widerspruch zu den vielen leerstehenden Häusern, Plattenbauten oder Wohnparks.Diese würden entweder in Preissegmenten angeboten, die sich die meisten Brandenburger nicht leisten könnten, oder sie befänden sich in einem unakzeptablen Zustand.Der Leerstand kommt zudem durch die starke Abwanderung aus ehemaligen Industriestädten zustande.

Ähnliche Modellprojekte entstehen in Schönow, Belzig, Kleinmachnow, Friedersdorf, Müncheberg und Senftenberg.Informationen zum Vorhaben der Hennigsdorfer Wohnungsbaugesellschaft unter Tel.: 033 02/86 85 0

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