Boxen : Ein Herz und einen See für die Otter

Claus-Dieter Steyer

Der bekannte Tierfilmer Heinz Sielmann wird langsam zu einem der größten Landbesitzer in Brandenburg. Nach dem Kauf einer 1000 Hektar großen Fläche im ehemaligen Tagebaugelände bei Luckau erwarb seine Stiftung nun das 955 Hektar im Naturschutzgebiet Groß Schauener Seenkette bei Storkow. "Nicht nur die Menschen wünschen sich intakte Lebensräume, auch die Natur braucht Erholungslandschaften", sagte der 84-Jährige bei der Vorstellung seiner Pläne gestern in Groß Schauen. Rund 333 000 Euro zahlte die hauptsächlich von Spenden lebende Stiftung als Preis an die bundeseigene Bodenverwertungs- und Verwaltungsgesellschaft (BVVG).

Professor Sielmann geriet am Ufer des noch immer vom dünnen Eis bedeckten Sees geradezu ins Schwärmen. "Hier scheint die Welt noch intakt zu sein", sagte er und verwies auf Spuren eines Fischotters. "Dieser possierliche Wassermader ist mein Lieblingstier und heute nur noch an sehr wenigen verborgenen Stellen in Europa zu finden." Durch die Arbeit seiner Stiftung sollen nicht nur der Fischotter, sondern auch Fisch- und Seeadler, Kraniche und viele andere bedrohte Tiere und Pflanzen geschützt werden. Der Mensch dürfe hier so wenig wie möglich in die Geschicke der Natur eingreifen, von Nisthilfen für seltene Schwalben oder Sumpfschildkröten und das Auslichten des Schilfgürtels einmal abgesehen.

Der in anderen Brandenburger Naturschutzgebieten so umstrittene Status eines "Totalreservates", der jegliche wirtschaftliche Nutzung untersagt, scheint an dieser Seenkette kein Problem zu sein. Des Rätsels Lösung liegt in der riesigen Fläche der hiesigen Wasserlandschaft. Sielmanns 1000 Hektar machen gerade die Hälfte des Naturschutzgebietes rund um Groß Schauen aus. Im anderen Teil herrschen nicht so strenge Vorschriften wie in dem totalen Reservat.

Fischerei wird auch weiterhin überall möglich sein. "Wir selbst sind auf Heinz Sielmann zugegangenen und haben ihm unsere Gegend schmackhaft gemacht", sagte Peter Witzke, Vorstandsmitglied der Fischereigenossenschaft Köllnitz. "Bei ihm waren wir uns wenigstens sicher, dass auch nach einem Verkauf der Seen der Fischreichtum bleiben würde." Ein anderer Käufer hätte in dem Naturparadies möglicherweise ganz andere Interessen verfolgt. "Aber wir leben nun einmal von der reichen Ausbeute an Zander, Karpfen, Hecht und anderen Fischarten", sagte Witzke. Der gesamte jährliche Fang von fünf bis sechs Tonnen werde im Restaurant und im Hofladen verkauft. Die Fische können sich eigenständig ernähren. Zusätzliches Futter werde nicht ausgebracht.

Agrar- und Umweltminister Wolfgang Birthler (SPD) sprach gestern von einem "Glücksfall für Brandenburg". Wie in Groß Schauen müsste die Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Fischerei überall im Lande laufen, dann würde der Schutz der Natur nicht mehr als Belastung verteufelt - sondern vorrangig als Chance begriffen. "In diesem Jahr wollen wir ein Prozent der Landesfläche als Totalreservat ausweisen. Künftiges Ziel sind drei Prozent", sagte Birthler.

Heinz Sielmann will getreu dem Ziel seiner Stiftung, sowohl die Menschen für die Erhaltung der Natur zu begeistern als auch ökologisch wertvolle Räume zu schützen, Neugierige von seinem neuen Refugium nicht völlig aussperren. Naturwächter würden weiterhin Erlebnistouren anbieten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben