Boxen : Ein Hut, ein Stock und viele Kleider

Josefine Edle von Krepl sammelt Kleider. Nun kommt ihre Sammlung ins Museum nach Meyenburg

Kathrin Klette

Meyenburg/Berlin . Dinge, die man sammeln kann, gibt es viele. Briefmarken, Bierdeckel – jeder habe ja so seine Passion, erzählt Josefine Edle von Krepl. Die Leidenschaft der 58-Jährigen ist aufwändiger und braucht vor allem viel Platz: Von Krepl sammelt Kleider, die sie in ihrem Laden im Prenzlauer Berg verkauft. Egal ob Männer- oder Damenmode, nur originell müssen die Stücke sein.

In dem vollgestopften Laden in der Knaackstraße am Kollwitzplatz verbreiten Räucherstäbchen einen exotisch-schwülen Geruch, im Hintergrund dudelt Musik aus dem Kofferradio und die Ladeninhaberin knarzt über den Dielenboden, um eine Kundin zu bedienen. An Kleiderstangen hängen dicht an dicht Kleider aus den 20er bis zu den 70er Jahren. Dazu gibt es jede Menge Accessoires, Hüte, Schmuck, Schuhe und Handtaschen. Sollte der eigenen Puppe ein Arm oder Bein fehlen, so liegt in der Glasvitrine ein Ersatzteillager bereit.

Von Krepl studierte in Berlin und Leipzig Mode und Journalismus und war anschließend 13 Jahre Redakteurin für die Zeitschrift „Für Dich“. 1980 kündigte sie, weil sie als „politisch indifferent“ galt. „Meine Modestrecken galten als zu westlich und die fotografierten Röcke als zu kurz.“ Daraufhin eröffnete sie ihre erste Boutique in Friedrichshain und verkaufte selbst entworfene Kleider. Kurz vor dem Mauerfall verließ sie die DDR und übernahm 1990 den Laden „Falbala“ in Wilmersdorf. Die Kleider kauft sie privat von Kunden oder aus Haushaltsauflösungen. Was sie kauft, entscheidet sie nicht nach Wert oder Marke, sondern ob ihr ein Kleid erhaltenswert erscheint. Und mit jedem Stück sind Geschichten verbunden – tragische oder lustige. Da gibt es zum Beispiel das unverkäufliche Hochzeitskleid ihrer Mutter aus den 30er Jahren, als sie „in Glück und Liebe geheiratet hat“, erzählt sie. Oder die Notkleider aus Kriegszeiten, die Frauen mit der Hand aus verschiedenen Stoffen genäht haben. „Die waren nicht attraktiv, sondern eher ärmlich. Aber man kann doch sehen, wie sich die Frauen Mühe gegeben haben, chic auszusehen.“ Deswegen ist für von Krepl auch jedes Kleidungsstück ein Zeichen seiner Zeit: „Man sieht, wie jemand gelebt hat. Von jedem Stück kann man den Zeitgeist atmen.“

Doch in eineinhalb Jahren will sie den Laden schließen. Viele neugierige Kunden wollen nur Kleider anprobieren und gehen wieder. Andere haben zu spezielle Vorstellungen und die, die etwas kaufen, kaufen zu wenig, als dass die 58-Jährige davon gut leben könnte. „Es ist nicht leicht“, sagt sie, „aber zur Neigung gehört leider immer auch die Pflicht.“ Der größte Teil ihrer Sammlung soll dann in ein Museum in Meyenburg, nahe Brandenburg, kommen. Die Stadt restauriert derzeit ein Schloss, in dem über 1000 Quadratmeter Ausstellungsfläche der Modesammlerin gehören werden. In zwei Jahren kann man dort eine ständige Ausstellung mit Kleidern von 1900 bis 1970 sehen, dazu kommen Sonderausstellungen, Veranstaltungen, Konzerte und Modeschauen. Für den Laden soll es einen Nachfolger geben. „Schließlich hätte der Laden in zwei Jahren 25-jähriges Jubiläum.“

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