Boxen : Ein Schloss für die Staatsgäste

Meseberg wird Gästehaus der Bundesregierung. Die Dorfbewohner können auf besseren Handy-Empfang hoffen

Claus-Dieter Steyer

Meseberg. Der Verkünder der „Jahrhundertnachricht für Meseberg“ verhaspelte sich in der Aufregung etwas. Denn der Vorstandsvorsitzende der Messerschmitt-Stiftung, Hans Heinrich von Srbik, erklärte den erstaunten Einwohnern im voll besetzten „Dorfkrug“, dass ihr Ort ab Ende 2005 zum „Sitz der Bundesregierung“ werde.

Die Nachricht traf die Meseberger wie ein Schlag. Erst zum Ende des Vortrages meldete sich ein Mann aus dem Publikum zaghaft mit der Frage: „Ich kann mir nicht erklären, warum die Bundesregierung aus Berlin zu uns aufs Land zieht?“ Der Messerschmitt-Chef bemerkte seinen Versprecher. „Schloss Meseberg wird nicht Sitz, sondern Gästehaus der Bundesregierung. Aber das ist genauso wichtig wie das Bundeskanzleramt.“ Meseberg werde zu einem Begriff in der Welt werden, zeigte sich von Srbik überzeugt. So, wie es Schloss Petersberg im Siebengebirge bei Bonn war, wo unter anderem im November 2001 die Afghanistan-Konferenz tagte.

„Zu ihnen kommen der amerikanische Präsident, der britische Premierminister, die Queen, der UN-Generalsekretär, ja Staatsmänner aus aller Welt und natürlich das komplette Bundeskabinett“, erklärte der Geschäftsführer den rund 70 Frauen und Männern im „Dorfkrug“ – und damit jedem zweiten Einwohner Mesebergs. Ihr Dorf könne mit dem Landsitz Camp David verglichen werden, wo der US-Präsident seine Gäste empfängt. Touristen würden sich künftig die Nase am Schloss plattdrücken. „Das ist ihre Chance“, sagte von Srbik. „Eröffnen Sie Fahrradverleihe, schaffen Sie Pensionszimmer, bauen Sie Reiterhöfe !“

Heute aber fällt die Vorstellung schwer, dass ausgerechnet in diesem verschlafenen Nest bei Gransee bald über Weltpolitik gesprochen werden soll. Berlin liegt zwar nur 60 Kilometer entfernt – aber Handys versagen hier meist ihren Dienst. „Wir richten uns nach dem Gestank aus dem Schweinestall“, berichtet ein Mann. „Bei Windstille oder schwachem Westwind kann man schräg gegenüber vom ,Dorfkrug‘ noch am ehesten telefonieren.“ Srbik verspricht auch diesbezüglich Verbesserung: Die Bundesregierung werde gewiss für einen guten Handy-Empfang sorgen.

Nicht besonders sieht es auch mit den Straßenverhältnissen aus. Von der Bundesstraße 96 führt ein drei Kilometer langer, schmaler und holpriger Asphaltweg in den Ort. Ab und zu fahren hier sogar Busse. Aber vielleicht, so überlegt eine Frau, „nimmt mich ja dann der Schröder in seinem Auto mit“. Andere stehen der Neuigkeit skeptisch gegenüber: „Die hohen Politiker machen bei uns Urlaub, und wir können wegen der Absperrung nicht mal unseren Badesteg benutzen?“, fragt eine junge Frau. Doch die Messerschmitt-Stiftung hat auch daran gedacht. „Wir bauen eine neue Badestelle an einer anderen Stelle mit viel Komfort“, teilt von Srbik mit. Der halbe See und fast das ganze Dorf gehören der Stiftung schon, wenn sich auch noch drei Flächeneigentümer gegen den Verkauf sträuben. „Wir brauchen die Grundstücke sowohl für den Sicherheitsabstand zum Schloss als auch für die Jagdleidenschaft der Gäste“, sagt von Srbik.

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